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Hausbau, Teil 27: Baunebenkosten

Wer ein eigenes Häuschen besitzen möchte, muss im Vorfeld viel recherchieren, vergleichen und berechnen. Denn nur so ist eine Immobilie für viele Bauherren noch finanzierbar. Zu den eigentlichen Kosten für Grundstück und Haus gesellen sich noch viele weitere: die so genannten Baunebenkosten. Diese belaufen sich zusätzlich auf etwa 15 bis 20 Prozent der Kosten für den eigentlichen Hausbau.

Am Anfang steht der Papierkram

Die Kosten für den Hausbau hängen von vielen Faktoren wie zum Beispiel der Region oder der Gemeinde ab. In ländlichen Bereichen sind Grundstücke in der Regel günstiger zu haben als in der Stadt. Aber auch die Stundenlöhne der Handwerker variieren je nach Gegend.

Von Vorteil ist natürlich, wenn Sie eine gewisse Summe an Eigenkapital einbringen können. Denn je mehr Geld Sie zur Verfügung haben, desto weniger müssen Sie sich von der Bank leihen. Vergleichen Sie auch hier genau und holen Sie sich mehrere Angebote für ein Darlehen ein. Achten Sie dabei auf eine hohe Flexibilität bei der Rückzahlung. So helfen Sondertilgungen, den Kredit schneller abzubauen und Sie können je nach Ihrer aktuellen finanziellen Situation diese Möglichkeit nutzen. Die Banken verlangen bei Abschluss des Kreditvertrages ebenfalls Gebühren. Meist wird dieser einige Zeit vor Baubeginn geschlossen, so dass sich die Inanspruchnahme zeitlich verzögert. Dafür erhebt die Bank Bereitstellungszinsen. Jedoch gibt es eine bereitstellungszinsfreie Zeit, welche je nach Kreditinstitut zwischen sechs und zwölf Monaten liegt.

Viele Ausgaben sind bereits vor dem eigentlichen Start des Unternehmens Hausbau zu tätigen. So zahlen Sie für die Baugenehmigung oder den Eintrag ins Grundbuch, aber auch für ein Bodengutachten, die Vermessung des Grundstücks, Abriss- oder Baumfällarbeiten.

Makler, Notar und Sachverständiger

Oft kommen Bauherren nur über einen Makler an ihr Wunschgrundstück. Die Maklerprovision ist gesetzlich nicht vorgeschrieben, beträgt aber hierzulande je nach Region zwischen drei und sieben Prozent des Kaufpreises.

Wer ein Grundstück oder Haus kauft, muss außerdem Grunderwerbsteuer entrichten. Die Höhe dieser ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich und liegt zwischen 3,5 und 6,5 Prozent des Kaufpreises.

Ebenso schlagen die Dienste des Notars mit rund 1,5 bis 2 Prozent der Kaufsumme zu Buche. Der Notar beglaubigt den Kauf und kümmert sich um den Grundbucheintrag. Erst mit diesem geht das Grundstück auf den Käufer über.

Wer keinen Architekten an der Seite hat, sondern mit einem Generalunternehmen das Bauprojekt durchführt, sollte einen unabhängigen Sachverständigen beauftragen, der sowohl den Bauvertrag vor der Unterschrift prüft als auch das komplette Baugeschehen beaufsichtigt und bewertet. Rechnen Sie mit ca. 100 Euro pro Stunde für den Sachverständigen.

Baugenehmigung

Bevor Sie mit dem eigentlichen Hausbau starten, müssen Sie eine Baugenehmigung beantragen. Planen Sie hierfür nicht nur rund 800 Euro an Gebühren sondern auch ausreichend Zeit ein. Bis zur Erteilung der Baugenehmigung vergehen Wochen, manchmal auch Monate. Um diese zu erhalten, brauchen Sie einen Lageplan des Grundstücks. Dieser kostet je nach Ausfertigung zwischen 200 und 700 Euro. Dazu ist eine Grundstücksvermessung notwendig, die ein Vermessungsingenieur erstellt.

Rohbau mit Balkon

Wenn das Haus fertig ist, beauftragen Sie den Vermesser abermals, um den Neubau für das Katasteramt einzumessen. Die Kosten einer Vermessung können sich so bis zu ca. 3.000 Euro summieren. Die Gebühren richten sich nach der Vermessungsgebührenordnung der Bundesländer.

Gut versichert am Bau

Bauherren sollten gut versichert sein. Diebstahl ist auf Baustellen keine Seltenheit, aber es kann auch zu Unfällen, einem Feuer, Blitzeinschlag oder Schäden durch Sturm und Hagel kommen. Die Bauherren-Haftpflichtversicherung greift, wenn sich Personen auf der Baustelle verletzen, und schützt vor Schadenersatzansprüchen.

Unvorhersehbare Schäden wie z. B. Vandalismus deckt eine Bauleistungsversicherung ab. Sie umfasst alle Lieferungen und Leistungen für den Roh- und Ausbau oder für den Umbau eines Gebäudes. Darüber hinaus zahlt die Versicherung, wenn Material- oder Konstruktionsfehler des Hauses zu einem Schaden führen. Die Bauleistungsversicherung schließt immer Schäden durch Feuer aus. Dafür ist zusätzlich eine Feuer-Rohbauversicherung nötig. Diese zahlt Schäden, die beispielsweise durch Blitzeinschlag entstehen. In Summe kostet der Versicherungsschutz für den Bauherrn etwa 1.000 Euro.

Viele Versicherer bieten die Hausbauversicherungen als Paket an, so dass der Bauherr damit oft spart. Allerdings gibt es Hausratversicherungen, in denen bereits eine Bauherren-Haftpflichtversicherung integriert ist. Auch hier lohnt sich ein genauer Tarifvergleich.

Kosten der Baustelle

Während des Baus eines klassischen Einfamilienhauses in Massivbauweise mit einer Bauzeit von sechs bis neun Monaten werden durchschnittlich 13.000 kWh Strom verbraucht. Da es noch keinen regulären Hausstromanschluss zu dieser Zeit gibt, müsse sich Bauherren vom örtlichen Energieversorger einen Baustromkasten mieten. Die Kosten für das Aufstellen bzw. den Abbau des Baustromkastens und dessen Miete schwanken zwischen ca. 700 und 1.200 Euro.

Hausbau, Rohbau mit Gerüst

Neben Strom benötigt eine Baustelle auch Wasser. Zusätzlich zu den Ausgaben für den Wasserverbrauch von etwa 400 Euro, werden weitere Kosten für die Miete von Standrohr und Wasserzähler sowie für den Anschluss und den Abbau durch einen Installateur fällig.

Liegt das Grundstück etwas abseits, muss eine Baustraße angelegt werden. Dabei fallen zwischen 10 und 20 Euro pro Quadratmeter an.

Festanschlüsse für Strom, Gas, Wasser und Telekommunikation

Jedes Haus benötigt Anschlüsse für Strom, Wasser, Abwasser, Telekommunikation und in den meisten Fällen auch für Gas. Die Erschließungskosten ergeben einen großen Posten auf der Liste der Baunebenkosten. Je nach Lage des Grundstücks betragen sie in der Regel zwischen 10.000 und 20.000 Euro.

Außenanlagen gestalten

Wenn das Haus steht, geht es an die Gestaltung der Außenanlagen. Dazu gehören Erdbewegungen, der Spritzschutz am Haus, Wege, Zaun, Garage oder Carport, Terrasse sowie Rasen und Pflanzen. Dabei schlagen Erd- und Pflasterarbeiten mit rund 10.000 Euro zu buche, eine Unterstellmöglichkeit für ihr Auto mit etwa 15.000 Euro. Wer einen Teich oder Pool anlegen möchte, sollte auch dafür einen größeren Geldbetrag einplanen.

Durch die aktuell sehr hohe Inflation und die wirtschaftlichen Entwicklungen haben die Notenbanken, die Leitzinsen erhöht. Ein Kredit wird somit deutlich teurer als noch vor ein paar Monaten. Auch die Nachwirkungen der Corona-Pandemie wie gestörte Lieferketten und Materialmangel tragen zu Preissteigerungen bei. Rechnen Sie daher Ihr Hausbauprojekt im Vorhinein akribisch durch und kalkulieren Sie die einzelnen Posten großzügig. Wer handwerklich geschickt ist, kann durch Eigenleistungen bares Geld sparen. Im Internet finden Sie verschiedene Baukostenrechner, die Sie bei der Kalkulation unterstützen.

Sie wollen mehr zum Thema Hausbau erfahren? Wir haben mehr Tipps für Sie.

Hausbau, Teil 1: Baustrom
Hausbau, Teil 2: Strom- und Gasanschluss
Hausbau, Teil 3: Wärmepumpe
Hausbau, Teil 4: Solarthermie
Hausbau, Teil 5: Heizsysteme
Hausbau, Teil 6: Blower-Door-Test
Hausbau, Teil 7: Thermografie
Hausbau, Teil 8: Rauchmelder
Hausbau, Teil 9: Einbruchschutz
Hausbau, Teil 10: Wärmedämmung
Hausbau, Teil 11: Fenster
Hausbau, Teil 12: Stromspeicher für Photovoltaikanlagen
Hausbau, Teil 13: Smart Home
Hausbau, Teil 14: Kohlenmonoxidmelder
Hausbau, Teil 15: FI-Schutzschalter
Hausbau, Teil 16: Förderung von Wohneigentum
Hausbau, Teil 17: Ladestation
Hausbau, Teil 18: Urlaubsschutz
Hausbau, Teil 19: Energiespartipps für den Garten
Hausbau, Teil 20: Energiespartipps für den Swimmingpool
Hausbau, Teil 21: Architekt, Fertighaus oder Bauträger
Hausbau, Teil 22: Raumplanung
Hausbau, Teil 23: Bauablauf
Hausbau, Teil 24: Energetische Sanierung
Hausbau, Teil 25: Nachhaltiges Bauen
Hausbau, Teil 26: Autarkes Wohnen im Nullenergiehaus
Hausbau, Teil 28: Tiny House
Hausbau, Teil 29: Gartengestaltung
Hausbau, Teil 30: Terrasse
Hausbau, Teil 31: Lüftungsanlagen
Hausbau, Teil 32: Holzhaus

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