Hausbauserie, Teil 22: Raumplanung

So individuell wie jede Familie, so individuell ist auch das eigene Heim. Viele Bauherren möchten deshalb nicht auf vorgegebene Grundrisse zurückgreifen, sondern ihre eigenen Vorstellungen von Zimmeraufteilung und Raumgröße bei der Planung ihres zukünftigen Zuhauses umsetzen.

Zeit für Planung

Dieser Planungsprozess benötigt viel Zeit, und die sollte sich jeder Häuslebauer unbedingt nehmen. Um eine Idee von den vielfältigen Raumvarianten zu bekommen, lassen Sie sich am besten inspirieren. Ein Besuch in einer Musterhausausstellung und Gespräche mit Freunden, die bereits ein Eigenheim besitzen, geben gute erste Eindrücke.

Außenansicht eines Musterhauses von Hanse Haus

Setzen Sie auf vorhandene Grundrisse von Hausanbietern und modifizieren Sie diese entsprechend Ihrer eigenen Wünsche und Ideen. Reflektieren Sie Ihre Planung regelmäßig. Große, luftige Zimmer sind zwar schön, aber ist ein Schlafzimmer mit 25 Quadratmetern wirklich nötig oder eine Dusche unter der Dachschräge praktisch?

Für die gesamte Planungsphase gilt: Behalten Sie die Kosten im Blick. Hier helfen Hausbau-Rechner, welche kostenlos im Internet zu finden sind. Neben den reinen Baukosten, fallen Erschließungskosten, eventuelle Architektenkosten, Notarkosten und viele weitere Posten an. Wenn Sie Ihren Gesamtbedarf ermittelt haben, rechnen Sie nochmals 10 bis 20 Prozent der Summe hinzu. Das hilft, eventuelle Sonderwünsche oder Dinge, die sich erst während des Baus ergeben, umzusetzen. Generell gilt: Beim konventionellen Massivbau kostet jeder Quadratmeter mindestens 1.800 Euro.

Bebauungspläne und Förderprogramme geben Rahmenbedingungen vor

Ein weiterer wichtiger Punkt, den es zu beachten gilt, sind die örtlichen Baubestimmungen. Der Bebauungsplan gibt oft eine bestimmte Dachform, -höhe oder -farbe vor, ebenso wie die Anzahl der Geschosse oder ob eine Unterkellerung möglich ist. Auch die Platzverhältnisse am Grundstück wie Grenzabstände, Baugrenzlinie sowie Bebauungsdichte schränken die Möglichkeiten ein. Studieren Sie den Bebauungsplan gründlich, damit Sie im Nachhinein nicht feststellen müssen, dass sich Ihre Ideen gar nicht umsetzen lassen. Nachträgliche Änderungen kosten nicht nur Zeit und Nerven, sondern auch Geld.

Ebenso basieren einige Förderprogramme auf fixen Vorgaben. So schreibt die Wohnbauförderung beispielsweise eine Kinderzimmermindestgröße vor. Für ein Kind beträgt diese 10 Quadratmeter, wenn sich zwei Kinder einen Raum teilen 12 Quadratmeter.

Die grobe Raumplanung

Aufteilung, Größe und Anordnung der Räume sind entscheidend dafür, wie viel Platz es für Gemeinschaft und Rückzug im künftigen Zuhause gibt. Daher ist es wichtig, dass die komplette Familie in die Planung einbezogen wird. Jeder darf seine Wünsche zum Haus und vor allem zu seinem persönlichen Bereich äußern.

Schreibtisch steht vor großem, lichtdurchfluteten Fenster

Überlegen Sie sich, wie viele Etagen und Zimmer benötigt werden. Soll es einen Keller geben oder ist das Grundstück groß genug, dass ein Gartenhaus oder Schuppen darauf passt, um Dinge des Alltags unterzubringen? Wird kein Keller gebaut, ist ein Hauswirtschaftsraum unabdingbar. Dieser beherbergt die Heizung und eventuelle Geräte für Solaranlage oder Solarthermie. Planen Sie den Hauswirtschaftsraum großzügig, um Waschmaschine und Trockner bzw. eventuelle Zweitgeräte von Kühl- und Gefrierschrank unterzubringen. Ein extra Waschbecken zum Waschen verschmutzter Gartenhände oder zum Putzen von dreckigen Kinderschuhen ist ebenfalls sinnvoll. Sitzen Sie oft am Schreibtisch, so wäre ein Arbeitszimmer wichtig oder wohnen Verwandten und Freunde in der Ferne, dann würden sie sich bestimmt über ein Gästezimmer freuen.

Achten Sie bei der Grundrissplanung außerdem darauf, alltägliche Wege möglichst kurz zu halten. Bei zwei Etagen hat es sich bewährt, alle Schlafzimmer, ein Badezimmer und die Ankleide im zweiten Stock anzuordnen. Auch Küche und Essplatz sollten möglichst nah beieinanderliegen, ebenso wie Räume mit hohem Installationsaufwand wie Küche, Bad und Technikraum.

Onlineprogramme oder entsprechende Raumplanungs-Apps helfen bei der Grundrissplanung. Oft sind die Grundversionen kostenlos, Zusatzfunktionen dann kostenpflichtig.
Oder aber Sie skizzieren sich Ihren Grundriss klassisch auf ein Blatt kariertes Papier.

Kostenlose Sonnenenergie nutzen

Wer nachhaltig und energieeffizient bauen möchte, achtet bereits bei der groben Planung auf die Ausrichtung des Eigenheims. Ein Haus, welches nach Süd-Westen gerichtet ist, kann die Sonnenergie optimal nutzen. Die Wohnbereiche – also Wohnzimmer, Kinderzimmer, Esszimmer – zeigen idealerweise nach Süden oder Westen. So fällt natürliches Licht hinein und die Sonne wärmt die Zimmer selbst im Winter wohlig warm auf. Schlafzimmer und die Küche richten sich nach Osten aus, Nebenräume nach Norden.

moderne Küche mit Kochinsel, Sitzecke und großem Fenster

Ein Haus für die Zukunft

Ein Grundriss ist dann gut, wenn er den Wünschen und Gewohnheiten der Bewohner entspricht und das nicht nur zum Planungszeitpunkt, sondern auch in Zukunft. Denn die Bedürfnisse der Familie ändern sich mit der Zeit. Daher sollte jeder Bauherr bei der Planung auch an später denken. Was passiert mit den Kinderzimmern, wenn die Kinder ausgezogen sind? Ist die Treppe so angelegt, dass der Einbau eines Treppenlifts möglich wäre? Könnte das Schlafzimmer aus der ersten Etage ins Erdgeschoss verlegt werden?

Das Thema Barrierefreiheit gewinnt in unserer alternden Gesellschaft zunehmend an Bedeutung. Denn auch im höheren Alter oder bei körperlichen Beeinträchtigungen möchten die meisten Menschen selbstbestimmt in ihren eigenen vier Wänden leben.

Bereits beim Bau kann auf breite Türen geachtet und auf Türschwellen verzichtet werden, so dass im Alter alle Räume mit Rollator oder Rollstuhl problemlos erreichbar sind. Wenn der Eingangsbereich des Hauses nicht ebenerdig ist, sollte eine Rampe nachgerüstet werden können. Leerrohre in den Wänden ermöglichen die nachträgliche Verkabelung einzelner Zimmer, zum Beispiel mit Meldeanlagen oder Notrufsystemen.

Besonderes Augenmerk ist auf die Sanitärbereiche zu legen. Eine ebenerdige Duschwanne ist nur dann behindertengerecht, wenn sie ausreichend groß ist, so dass ein Rollstuhl hineinpasst. Wenn eine Nachrüstung von Sanitäranlagen oder Haltegriffen nötig ist, muss die Tragfähigkeit der Wände dies zulassen.

Sie wollen mehr zum Thema Hausbau erfahren? Wir haben weitere Beiträge für Sie.

Hausbau, Teil 1: Baustrom
Hausbau, Teil 2: Strom- und Gasanschluss
Hausbau, Teil 3: Wärmepumpe
Hausbau, Teil 4: Solarthermie
Hausbau, Teil 5: Heizsysteme
Hausbau, Teil 6: Blower-Door-Test
Hausbau, Teil 7: Thermografie
Hausbau, Teil 8: Rauchmelder
Hausbau, Teil 9: Einbruchschutz
Hausbau, Teil 10: Wärmedämmung
Hausbau, Teil 11: Fenster
Hausbau, Teil 12: Stromspeicher für Photovoltaikanlagen
Hausbau, Teil 13: Smart Home
Hausbau, Teil 14: Kohlenmonoxidmelder
Hausbau, Teil 15: FI-Schutzschalter
Hausbau, Teil 16: Förderung von Wohneigentum
Hausbau, Teil 17: Ladestation
Hausbau, Teil 18: Urlaubsschutz
Hausbau, Teil 19: Energiespartipps für den Garten
Hausbau, Teil 20: Energiespartipps für den Swimmingpool
Hausbau, Teil 21: Architekt, Fertighaus oder Bauträger

Foto: www.hanse-haus.de

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