Strompreis, Teil 4: Umlagen

In den Strompreis fließen fünf verschiedene Umlagen ein. Alle Stromkunden zahlen diese über ihren Stromanbieter. Zum Jahresbeginn haben sich die gesetzlichen Umlagen-Sätze verändert. Jeder einzelne hat unterschiedliche Auswirkungen auf die Preisbildung.

AbLAV-Umlage

Die Umlage für abschaltbare Lasten wird auch als Abschaltverordnung bezeichnet. Abschaltbare Lasten sind Stromverbraucher (Lasten), welche durch den Übertragungsnetzbetreiber steuerbar, also auch abschaltbar, sind. Sie zeichnen sich durch eine sehr hohe, fortlaufende Stromabnahme aus und sind zumeist in der verarbeitenden Industrie zu finden. Die stromintensiven Prozesse können kurzfristig gedrosselt oder auch komplett deaktiviert werden. Damit wird das Übertragungsnetz im Bedarfsfall stabilisiert und die Stromversorgung gesichert.

Die Abschaltverordnung gibt es seit 2012. Sie ermöglicht Unternehmen durch die ferngesteuerte Leistungsschaltung ihrer Verbrauchsprozesse, das Stromnetz zu entlasten. Dabei wird zwischen SOL und SNL unterschieden. SOL steht für sofort abschaltbare Lasten. Diese müssen in einer Drittelsekunde einsatzbereit sein, wenn eine Frequenzmessung direkt vor Ort erfolgt. SNL beschreibt schnell abschaltbare Lasten, die in unter 15 Minuten bereitstehen müssen.

Die Umlage kostet seit diesem Jahr 0,007 Cent pro Kilowattstunde und ist damit im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen (2019: 0,005 Cent pro Kilowattstunde). Für einen Privatkunden mit einem Jahresverbrauch von 2.000 Kilowattstunden beträgt sie 0,14 Euro.

StromNEV-Umlage

Diese Abkürzung bezeichnet die Stromnetzentgeltverordnung. Jeder Nutzer eines Stromnetzes muss Netzentgelte, oder auch Netznutzungsentgelte, an den Netzbetreiber abgeben. Die Einnahmen fließen in den Bau und die Wartung von Strommasten, Stromleitungen und Umspannwerken.

Laut Verordnung haben Verbraucher die Möglichkeit, vom örtlichen Netzbetreiber niedrigere individuelle Netzentgelte zu beantragen. Letztverbraucher sind privilegiert, die Netzkosten aufgrund ihres außergewöhnlichen Verbrauchsverhaltens zu senken bzw. zu meiden, wenn beispielsweise eine atypische Netznutzung vorliegt. Die Spitzenlasten werden in lastschwache Nebenzeiten verlagert.

Da dem örtlichen Netzbetreiber durch diese besonderen Letztverbraucher Erlöse entgehen, müssen die Übertragungsnetzbetreiber ihnen diese erstatten. Die Zahlungen für die entgangenen Erlöse gleichen sie untereinander aus und errechnen einen Aufschlag auf die Netzentgelte, welcher wiederum auf alle Letztverbraucher umgelegt wird.

Die Umlage schlägt mit 0,358 Cent pro Kilowattstunde zu Buche, macht also 7,16 Euro für den durchschnittlichen Privatkunden von enviaM aus.

Strompreis, Teil 4: Umlagen

EEG-Umlage

Die Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage ist für Betreiber von erneuerbaren Energien-Anlagen gedacht. Sie speisen Strom in das Netz ein und erhalten dafür eine festgelegte Vergütung. Da die Auszahlungen an die Anlagenbetreiber im Gegensatz zu den Einnahmen aus dem Verkauf der Strommengen immens sind, wird die Differenz auf alle Stromverbraucher umgelegt.

Die Übertragungsnetzbetreiber legen die Höhe der Umlage fest. Diese beträgt 6,756 Cent pro Kilowattstunde. Umgerechnet auf einen Jahresverbrauch von 2.000 Kilowattstunden ergeben sich 135,12 Euro.

Einfluss auf die EEG-Umlage haben unter anderem der erwartete Börsen-Strompreis, die Höhe des Letztverbrauchs, der Zubau an EEG-geförderten Anlagen sowie eine Liquiditätsreserve. Falls die Sonne zum Beispiel in einem Jahr besonders viel scheint, gleicht die Reserve die unerwartet hohen Vergütungszahlungen aus.

KWKG-Umlage

Diese Umlage basiert auf dem Gesetz zum Schutz der Stromerzeugung aus Kraft-Wärme-Kopplung (KWKG). Die KWK-Anlagen erzeugen in einem Verbrennungsprozess gleichzeitig Strom und Wärme. Dafür erhalten die Anlagenbetreiber einen Zuschlag der Stromnetzbetreiber.

In 2020 beträgt die Umlage 0,226 Cent pro Kilowattstunde und ist im Vergleich zum Vorjahr etwas gesunken. In unserem Beispiel mit einem jährlichen Durchschnittsverbrauch von 2.000 Kilowattstunden macht das umgerechnet 4,52 Euro.

Offshore-Netzumlage

Offshore-Anlagen sind Windparks, die im Küstenvorfeld der Meere stehen. Die Umlage deckt die Entschädigungskosten für Offshore-Windpark-Betreiber, wenn eine Anlage beispielsweise verspätet an das Stromnetz angeschlossen wird oder es zu Netzunterbrechungen kommt, die länger als zehn Tage anhalten. Bis Anfang 2019 wurde die Umlage noch als Offshore-Haftungsumlage bezeichnet.

Die Umlage beläuft sich auf 0,416 Cent pro Kilowattstunde. Das bedeutet, dass der durchschnittliche Privatkunde von enviaM 8,32 Euro im Jahr dafür zahlt.

Lesen Sie zum Thema auch:

Strompreis, Teil 1: Wie setzt sich der Strompreis zusammen?
Strompreis, Teil 2: Was vom Strompreis an den Staat geht
Strompreis, Teil 3: Die Konzessionsabgabe
Strompreis, Teil 5: Einflussfaktoren

EEG

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist Wegbereiter für regenerative Energien in Deutschland.

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Kraft-Wärme-Kopplung

Bis 2020 soll die KWK-Stromerzeugung bei 110 Milliarden Kilowattstunden liegen.

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