ABC der Energiewirtschaft, Teil 6: Regelenergie

Regelenergie, auch Regelleistung, gleicht Schwankungen im Stromnetz aus und stellt somit eine stabile Stromversorgung sicher. Es wird zwischen positiver und negativer Regelenergie unterschieden. Bei positiver Regelenergie muss mehr Strom eingespeist werden, da die Netzfrequenz zu niedrig ist. Ist die Netzfrequenz allerdings zu hoch, wird die Stromproduktion gedrosselt oder Strom entnommen. In diesem Fall handelt es sich um negative Regelenergie.

Regelenergie gleicht Stromschwankungen aus

Netzschwankungen treten zum einen auf, wenn die Nachfrage abrupt steigt, die Netzfrequenz also sinkt. Das kann beispielsweise beim Einschalten großer Maschinen in Industriebetrieben passieren oder wenn Windkraft- und Photovoltaikanlagen aufgrund fehlenden Windes oder fehlender Sonneneinstrahlung nicht genügend Strom produzieren. Im Umkehrschluss wird das Netz überlastet, sollte der Wind stark wehen oder die Sonne dauerhaft scheinen. Auch der Stromverbraucher selbst sorgt für Schwankungen im Stromnetz, da er nicht jeden Tag die gleiche Menge abnimmt – am Wochenende oder in den Abendstunden zum Beispiel mehr als unter der Woche. Leicht vorhersehbare Schwankungen prognostizieren Stromversorger und -produzenten auf Basis von Langzeit-Erfahrungen oder Wettervorhersagen recht genau, sodass die Normalfrequenz von 50 Hertz gehalten wird.

ABC der Energiewirtschaft, Regelenergie

Nichtsdestotrotz, Unvorhersehbares kann passieren: Das Wetter schwingt um oder ein konventionelles Kraftwerk fällt aus. Damit das Stromnetz in diesen Fällen nicht zusammenbricht, greift die Regelenergie. Von dieser gibt es drei Arten: Die Primärreserve gleicht Schwankungen innerhalb von Sekunden aus, die Sekundärreserve innerhalb von Minuten und die Minutenreserve innerhalb von Viertelstunden.

Wer liefert die Regelenergie?

Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB), wie beispielsweise die 50Hertz Transmission GmbH, stellen einen Teil der Regelenergie über angeschlossene Stromkonzerne selbst bereit. Den Rest schreiben die ÜNB aus, sodass ein Großteil der Regelenergie von Betreibern von Kleinanlagen geliefert wird. Das Vorhalten der Regelenergie für den Notfall bekommen die Akteure am Regelenergiemarkt vergütet. Diese Kosten zahlen unter anderem die Stromverbraucher mit den Netznutzungsentgelten. Im Gegenzug profitieren sie von einer sicheren Stromversorgung.

Erfahren Sie noch mehr Interessantes in unseren Beiträgen aus der Reihe ABC der Energiewirtschaft:
Teil 1: Liberalisierung
Teil 2: Entwicklung des Energieverbrauchs
Teil 3: Aufbau des Stromnetzes
Teil 4: Wie setzt sich der Erdgaspreis zusammen?
Teil 5: Weltklimavertrag

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