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Strom- und Gaspreise Strom- und Gaspreise

Strompreis, Teil 1: Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Strom ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken: Wir kochen, waschen, laden Smartphones oder streamen Serien – meist ganz selbstverständlich. Spätestens mit der jährlichen Stromrechnung stellt sich dann die Frage: Warum kostet Strom eigentlich so viel – und wofür genau zahlen wir?
Ein Blick auf den Preis pro Kilowattstunde zeigt schnell: Er setzt sich aus vielen unterschiedlichen Bestandteilen zusammen. Gesetzlich ist genau geregelt, dass diese Kosten transparent ausgewiesen werden müssen, damit der Verbraucher es ganz klar nachvollziehen kann.

Grundpreis und Arbeitspreis – das Fundament jedes Stromtarifs

Unabhängig vom Anbieter besteht jeder Stromtarif aus zwei zentralen Bausteinen: Der Grundpreis ist eine feste monatliche oder jährliche Gebühr. Er fällt unabhängig davon an, wie viel Strom tatsächlich verbraucht wird. Darin stecken unter anderem Kosten für den Netzanschluss, den Stromzähler, die Abrechnung sowie den Kundenservice.

Intelligenter Stromzähler

Der Arbeitspreis hingegen richtet sich nach dem tatsächlichen Verbrauch. Er wird pro Kilowattstunde berechnet und umfasst die eigentlichen Stromkosten – von der Beschaffung über den Transport bis hin zu Steuern und Abgaben. Je mehr Strom verbraucht wird, desto stärker wirkt sich dieser Teil auf deine Rechnung aus.

Woraus setzt sich der Strompreis heute zusammen?

Der Strompreis für Haushalte lässt sich in drei große Kostenblöcke aufteilen:

Den größten Anteil machen Beschaffung und Vertrieb aus. Dazu zählt der Einkauf des Stroms an der Börse oder direkt bei den Erzeugern, aber auch Kosten für Vermarktung und die Marge des Stromanbieters.

Ein weiterer wichtiger Posten sind die Netzentgelte inklusive Messstellenbetrieb. Damit werden Bau, Betrieb, Wartung und Ausbau der Stromnetze finanziert – ebenso wie der Betrieb der Stromzähler. Da die Netzinfrastruktur regional unterschiedlich ist, variieren diese Kosten je nach Wohnort deutlich.

Hochspannungsmast mit Leiterseilen, der über ein gelbes Rapsfeld vor blauem Himmel mit weißen Wolken verläuft.

Hinzu kommen Steuern, Abgaben und Umlagen. Dazu zählen unter anderem die Stromsteuer, die Konzessionsabgabe, die KWK-Umlage und verschiedene Zuschläge für die Netznutzung.
Für einen durchschnittlichen Haushalt mit rund 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch lag der Strompreis 2026 bei etwa 37 Cent pro Kilowattstunde – und damit spürbar unter den Höchstständen der Energiekrise.

Energiewende: Nicht automatisch ein Preistreiber

Lange galt die Annahme, dass die Energiewende den Strompreis vor allem nach oben treibt. Dieses Bild hat sich in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verändert. Ein zentraler Schritt war die Abschaffung der EEG-Umlage. Seit Juli 2022 liegt sie bei null Cent pro Kilowattstunde und wurde ab 2023 vollständig aus dem Strompreis gestrichen. Die Förderung erneuerbarer Energien wird heute aus dem Bundeshaushalt finanziert – eine spürbare Entlastung für Haushalte.

Windrad enviaM

Gleichzeitig investiert Deutschland massiv in den Ausbau der Stromnetze. Um Regionen mit viel Wind- und Solarstrom zu entlasten, wurden die Netzentgelte ab 2025 neu verteilt. In manchen Netzgebieten sparen Haushalte dadurch jährlich bis zu 200 Euro.

Warum der Wohnort beim Strompreis entscheidend bleibt

Obwohl Strom überall gleich fließt, zahlen Haushalte in Deutschland unterschiedlich hohe Preise. Der Hauptgrund dafür sind die regional variierenden Netzentgelte.
Dabei sind die Rollen klar verteilt: Die Netzbetreiber kümmern sich um Betrieb und Ausbau der Stromnetze vor Ort, während Stromanbieter den Strom verkaufen und Abrechnungen erstellen. Jeder Anbieter nutzt das jeweilige Netz und zahlt dafür Entgelte – diese werden an die Kunden weitergegeben. Deshalb spielt die Postleitzahl beim Strompreisvergleich weiterhin eine wichtige Rolle.

Weniger bekannt: Wohin fließt die Stromsteuer?

Die Stromsteuer beträgt seit Jahren unverändert 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Was viele nicht wissen: Ein großer Teil dieser Einnahmen wird als Bundeszuschuss an die gesetzliche Rentenversicherung weitergeleitet.
Die Stromsteuer ist Bestandteil der sogenannten Ökosteuerreform. Sie verfolgt zwei Ziele zugleich: Einnahmen für den Staat zu sichern und Anreize zu schaffen, Strom bewusster und effizienter zu nutzen.

Neue Dynamik: Stromtarife mit wechselnden Preisen

Seit dem 1. Januar 2025 müssen alle Stromanbieter dynamische Stromtarife anbieten. Bei diesen Tarifen richtet sich der Arbeitspreis nach dem aktuellen Börsenstrompreis und kann sich mehrmals täglich ändern. Voraussetzung dafür ist ein intelligentes Messsystem, ein sogenanntes Smart Meter.
Besonders interessant sind diese Tarife für Haushalte mit flexiblem Stromverbrauch – etwa durch Elektroauto, Wärmepumpe oder Batteriespeicher. Wer seinen Verbrauch gezielt in günstige Zeiten verlagert, kann so seine Stromkosten deutlich senken.

Laden eines Elektroautos

Augen auf bei der Anbieterwahl

Zwar hat jeder Kunde Anspruch auf die Grundversorgung, doch oft sind Sondertarife günstiger. Ein regelmäßiger Strompreisvergleich lohnt sich daher.
Nach den Erfahrungen mit unseriösen Billiganbietern empfehlen Verbraucherzentralen und Branchenverbände, nicht nur auf den Preis zu schauen. Auch Vertragsbedingungen, Laufzeiten und Preisgarantien sollten bei der Entscheidung eine wichtige Rolle spielen.

Fazit: Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Der Strompreis ist heute transparenter als früher – und stetig im Wandel. Während staatliche Preisbestandteile lange Zeit stark gestiegen sind, sorgen Reformen bei Netzentgelten, der Wegfall der EEG-Umlage und neue Tarifmodelle inzwischen für spürbare Entlastungen und mehr Wahlmöglichkeiten. Wer informiert ist und regelmäßig vergleicht, kann davon profitieren.

Mehr zum Thema Strom- und Gaspreise erfahren Sie in folgenden Beiträgen:

Strompreis, Teil 2: Was vom Strompreis an den Staat geht
Strompreis, Teil 3: Die Konzessionsabgabe
Strompreis, Teil 4: Umlagen
Strompreis, Teil 5: Einflussfaktoren

Weitere interessante Informationen rund um das Thema Strom finden Sie unter www.enviaM.de.

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