Das Elektroauto als rollender Energiespeicher

Das Elektroauto als Speicher für überschüssigen Strom aus dem Netz zu nutzen, ist eine Idee, zu der in den letzten Jahren viel geforscht und erprobt wurde.  Doch wie geht es mit dem Konzept Vehicle-to-Grid, zu deutsch vom Fahrzeug zum Netz, weiter?

Die Speicherung selbst steuern

Im Durchschnitt wird ein Privatauto in Deutschland weniger als zwei Stunden am Tag bewegt. Bei Elektroautos ist damit die Standzeit deutlich länger als die Ladedauer. Es wäre also naheliegend, ihre Akkus als Speicherelement zu nutzen. Und ihn dann zu laden, wenn sich ein Überschuss an erneuerbarer Energie im Netz befindet. Kann der Energiebedarf im Netz gerade nicht bedient werden, stellt das Elektroauto seinen Strom zur Verfügung und sein Akku wird wieder entladen. Über ein Batterielademanagement kann der Besitzer vorgeben, wie viel Kapazität im Fahrzeug verbleiben soll, um mobil zu bleiben und nichts an Komfort einbüsen zu müssen. Soweit der Plan, er wird jedoch in der Praxis bisher kaum angewandt.

Ladebox

Risiken und Nebenwirkungen

Rein technisch gesehen, steht der Nutzung eines Fahrzeugakkus als Energiespeicher für das Stromnetz nichts im Wege. Der Netzbetreiber kann bei Bedarf über die Wallbox auf den Akku zugreifen und Entladungen ins oder Beladungen aus dem Netz durchführen. Allerdings geht jeder Ladevorgang zu Lasten der Lebensdauer des Akkus und verringert so die gewöhnliche Nutzungsdauer des Elektroautos. Der Eigentümer müsste für die Nutzung seines Fahrzeugs als Speicher und den damit verbundenen „Fahrzeugverschleiß“ also einen entsprechenden Ausgleich erhalten. Derzeit ist noch kein solches Geschäftsmodell am Markt, da die Preise für Akkus im Vergleich zu Strom aus dem Netz noch erheblich voneinander abweichen. Wenn diese betriebswirtschaftliche Schwierigkeit nicht mehr existiert, wird ein simples Speichernutzungsentgelt das Eigentumsproblem kompensieren.

Eine andere Idee ist es, den Akkus quasi ein zweites Leben einzuhauchen. Reicht die Kapazität des Akkus für den Fahrbetrieb nicht mehr aus, fungiert er in einem „zweiten Leben“ als stationärer Netzspeicher im Eigentum des Netzbetreibers. Hierzu gibt es bereits erste Projekte: In Australien hat Tesla beispielsweise eine ganze Kleinstadt mit alten Fahrzeugakkus ausgestattet, um dort im Sommer die Klimaanlagen zu betreiben.

 

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