Wusstest du schon? Was sind Zufallsgewinne?
Immer wieder wird in Politik und Medien über sogenannte „Zufallsgewinne“ oder „Übergewinne“ diskutiert. Besonders dann, wenn die Energiepreise stark steigen oder bestimmte Unternehmen außergewöhnlich hohe Erlöse erzielen, taucht der Begriff regelmäßig auf. Doch was genau sind Zufallsgewinne, wie entstehen sie und warum sind längst nicht alle Energieunternehmen davon betroffen?
Was verstehen wir unter Zufallsgewinnen?
Als Zufallsgewinne werden Gewinne bezeichnet, die Unternehmen erzielen, ohne dass diese unmittelbar auf zusätzliche Investitionen, Innovationen oder besondere Leistungen zurückzuführen sind. Vielmehr entstehen sie häufig durch außergewöhnliche Marktbedingungen.
Im Englischen spricht man von einer „Windfall Tax“, was sinnbildlich als „Fallobst-Steuer“ übersetzt werden kann. Dahinter steckt die Idee, Gewinne abzuschöpfen, die Unternehmen quasi „zufallen“. Die dadurch erzielten staatlichen Einnahmen könnten beispielsweise genutzt werden, um Verbraucher finanziell zu entlasten.
Der Begriff wird oft mit der sogenannten Übergewinnsteuer verwechselt. Während sich Zufallsgewinne auf außerordentliche Erlöse aufgrund besonderer Marktsituationen beziehen, sollen bei einer Übergewinnsteuer generell außergewöhnlich hohe Gewinne besteuert werden.
Warum können im Strommarkt Zufallsgewinne entstehen?
Eine wichtige Rolle spielt dabei das sogenannte Merit-Order-Prinzip. Es legt fest, in welcher Reihenfolge Kraftwerke zur Stromerzeugung eingesetzt werden.
Zunächst speisen die günstigsten Kraftwerke Strom ins Netz ein. Dazu gehören häufig Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien. Reicht deren Stromproduktion nicht aus, kommen weitere Kraftwerke mit höheren Erzeugungskosten zum Einsatz. Das zuletzt benötigte Kraftwerk bestimmt den Preis an der Strombörse.
In Zeiten hoher Gaspreise waren dies häufig Gaskraftwerke. Dadurch stieg der Marktpreis für Strom insgesamt an. Gleichzeitig konnten Erzeuger mit niedrigeren Produktionskosten, beispielsweise Betreiber von Wind- oder Solaranlagen, ihren Strom ebenfalls zu diesen höheren Marktpreisen verkaufen. So entstanden zusätzliche Erlöse, die häufig als Zufallsgewinne bezeichnet wurden.

Ist das heute noch ein Thema?
Die außergewöhnliche Energiekrise der Jahre 2022 und 2023 liegt mittlerweile hinter uns. Dennoch bleibt die Diskussion aktuell. Denn Energiepreise werden weiterhin von internationalen Entwicklungen, Angebot und Nachfrage sowie geopolitischen Ereignissen beeinflusst. Kommt es zu starken Preissprüngen, wird regelmäßig darüber diskutiert, ob außergewöhnliche Gewinne einzelner Marktteilnehmer abgeschöpft werden sollten.
Das Grundprinzip des Strommarktes hat sich dabei nicht verändert: Steigen die Preise am Markt stark an, können unter bestimmten Umständen erneut Erlöse entstehen, die als Zufallsgewinne wahrgenommen werden.
Und wer ist davon betroffen?
Wichtig ist: Nicht alle Energieunternehmen profitieren automatisch von hohen Strom- oder Gaspreisen.
Von möglichen Zufallsgewinnen sind vor allem Energieerzeuger betroffen, die Strom produzieren und an den Markt verkaufen. Energielieferanten hingegen müssen Energie zunächst einkaufen, bevor sie diese an ihre Kunden weitergeben.
Dazu gehören auch Unternehmen der enviaM-Gruppe. Als Energiedienstleister und Versorger beschaffen wir Strom und Gas am Markt, um Haushalte, Gewerbe- und Industriekunden zuverlässig zu beliefern. Steigen die Beschaffungskosten, wirken sich diese daher auch auf die Kosten der Energieversorgung aus.
Fazit
Zufallsgewinne sind kein neues Phänomen. Sie entstehen, wenn außergewöhnliche Marktbedingungen dazu führen, dass Unternehmen zusätzliche Erlöse erzielen, ohne ihre Produktionskosten entsprechend zu erhöhen. Die Energiekrise hat das Thema besonders sichtbar gemacht. Auch wenn die damalige Ausnahmesituation vorbei ist, bleibt die Frage aktuell, wie mit außergewöhnlichen Gewinnen in Krisenzeiten umgegangen werden sollte und wie der Strommarkt funktioniert.
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