Wie steht es um die Energiezukunft in Deutschland?

Mit den Entwicklungen der Energiewende steigen bei zahlreichen Verbrauchern die Bedenken bezüglich steigender Energiepreise sowie der Versorgungssicherheit. Welche Zukunft prognostizieren Experten für unsere Stromversorgung? Wie viel Power brauchen wir für die Energiewende? Wir haben mit Prof. Dr. Mario Ragwitz, dem Leiter des Fraunhofer für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG), über die Chancen und Herausforderungen gesprochen.

Herr Prof. Dr. Ragwitz, was kostet uns die Energiewende?

Unsere Studien, die wir für verschiedene Auftraggeber wie das Wirtschaftsministerium durchführen, zeigen, dass die Energiewende langfristig nicht teurer ist als das, was wir aus der Vergangenheit gewohnt sind. In der Übergangsphase allerdings sorgen erhöhte CO2-Preise für Mehrkosten. Aber der Sinn der Energiewende ist ja eben, dass wir CO2 einsparen wollen und daher CO2-intensive Technologien nicht weiter fördern können. Verschärft wird die Situation noch durch den gleichzeitigen Ausstieg aus der Atomkraft.

Welche Technologien sollen die Energiewende ermöglichen?

Die Energiewende wird durch den Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Sonnenenergie vorangetrieben. Diese sollen das Stromsystem dominieren, erfordern aber Investitionen in Netze und Speichertechnologien. Wasserstoffbasierte Spitzenlast-Kraftwerke sind geplant, während Deutschland den Ausstieg aus Atom- und Kohlekraftwerken beschleunigt. Die europäische Integration im Stromverbund ist entscheidend, aber die Zielerreichung der Energiewende variiert je nach Bereich – einige Ziele werden übertroffen, während andere hinterherhinken. Insgesamt bleibt die Beurteilung des Fortschritts der Energiewende differenziert und von verschiedenen Faktoren abhängig.

Spielt Atomenergie noch eine Rolle?

Aktuell decken wir weltweit etwa 10 Prozent der Stromproduktion mit Atomenergie. In den letzten 20 Jahren lag die Produktion etwa konstant bei 2.500 Terawattstunden. Während der globale Anteil von Atomstrom also sinkt, hat sich die durch erneuerbare Energien produzierte Strommenge in dieser Zeit verdreifacht, auf aktuell etwa 7.500 Terawattstunden. Sicherlich wird Atomenergie in vielen Ländern noch einige Jahre weiterbestehen. In Deutschland sind wir am 15. April 2023 aus der Atomenergie ausgestiegen und haben damit bewiesen, dass wir auch ohne auskommen. Der Bau von Atomkraftwerken ist im Übrigen schon heute deutlich teurer als ein Portfolio aus erneuerbaren Energien. Das ist der Grund, weswegen in Europa kaum neue Atomkraftwerke gebaut werden.

Wie lange brauchen wir noch für die Energiewende?

Im Jahr 2045 soll die Energiewende in Deutschland erledigt sein. Das heißt, der Umstieg auf erneuerbare Energien und klimaneutrale Energieträger geschafft. Ab heute haben wir also noch 22 Jahre Zeit.

Das gesamte PowerTalk-Video mit Prof. Mario Ragwitz gibt es hier:

Auch die enviaM-Gruppe hat klare Klimaschutzziele festgelegt. Unser Ziel ist es, bis 2030 unsere CO2-Emissionen um 75 Prozent zu reduzieren und bis 2040 vollständig klimaneutral zu sein. Wir streben eine grüne, effiziente und nachhaltige Energiezukunft an und wissen, dass noch viel Arbeit vor uns liegt. Dennoch befinden wir uns bereits auf einem vielversprechenden Weg. Hier erfährst du, wie die enviaM-Gruppe aktiv zur Gestaltung der Energiewende beiträgt. Zudem liest du in diesem Blogbeitrag, welche Aufgaben Nachhaltigkeitsmanager Felix ausübt.

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Deutschland soll bis 2045 klimaneutral sein.

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