Was ändert sich für Strom- und Gaskunden 2026?
Nach Jahren mit schwankenden Energiepreisen bringt 2026 einige spürbare Veränderungen für dich als Strom- und Gaskunde. Die Bundesregierung hat mehrere Maßnahmen beschlossen, um Haushalte und Unternehmen langfristig zu entlasten und den Energiemarkt moderner und transparenter zu gestalten. Doch was genau ändert sich, und was bedeutet das konkret für dich?
Sinkende Kosten beim Strom: Netzentgelte und Stromsteuer
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft die Strom-Netzentgelte: Ab 2026 beteiligt sich der Bund dauerhaft mit mehreren Milliarden Euro an den Kosten der Übertragungsnetze. Ziel ist es, die Netzentgelte zu stabilisieren und langfristig zu senken. Da sie einen erheblichen Anteil am Strompreis ausmachen, kannst du dadurch mit niedrigeren oder zumindest stabileren Stromkosten rechnen.

Zusätzlich bleibt die reduzierte Stromsteuer dauerhaft bestehen. Ursprünglich war diese Maßnahme zeitlich begrenzt, doch sie wird nun langfristig fortgeführt. Besonders energieintensive Betriebe profitieren davon, mittel- bis langfristig kann sich das aber auch positiv auf die allgemeinen Strompreise auswirken.
enviaM-Tipp
Ob und in welchem Umfang diese Entlastungen tatsächlich bei dir ankommen, hängt von deinem Stromanbieter ab. Ein regelmäßiger Tarifvergleich lohnt sich also weiterhin.
Entlastung beim Gas: Wegfall der Gasspeicherumlage
Für Gaskunden ist 2026 vor allem der Wegfall der Gasspeicherumlage relevant. Diese Umlage wurde eingeführt, um die Kosten für das Befüllen der Gasspeicher in der Energiekrise abzusichern. Ab dem 1. Januar 2026 entfällt sie vollständig.
Das bedeutet: Dein Gaspreis sinkt rechnerisch um den Betrag der Umlage. Gleichzeitig steigen allerdings in vielen Regionen die Gas-Netzentgelte, weil Netzbetreiber in Ausbau und Sicherheit investieren müssen. Wie stark sich der Wegfall der Umlage tatsächlich auf deine Gasrechnung auswirkt, hängt daher von deiner Region ab.
Mehr Flexibilität: Energy Sharing – Strom gemeinsam nutzen
2026 kommt mit Energy Sharing ein neues Modell, wie du Strom gemeinsam mit anderen nutzen kannst. Solarstrom musst du nicht mehr nur selbst verbrauchen oder ins Netz einspeisen – sondern: Du kannst ihn direkt mit Nachbarn teilen.
Das Modell basiert auf einer europäischen Richtlinie und einer geplanten Änderung des Energiewirtschaftsgesetzes (§ 42c EnWG). Energy Sharing ermöglicht die gemeinschaftliche Nutzung von lokal erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien – auch über das öffentliche Netz hinweg. Stromerzeuger und Verbraucher an unterschiedlichen Standorten können so Strom teilen.

Ab 1. Juni 2026 sollen die Hürden für Energy Sharing deutlich niedriger sein. Eine gesetzliche Neuregelung erlaubt den Austausch von Strom in der Nachbarschaft und befreit Betreiber von Solaranlagen von vielen Pflichten klassischer Energielieferanten. So kannst du deinen überschüssigen Solarstrom unbürokratisch an Nachbarn weitergeben, ohne als Stromlieferant auftreten zu müssen.
Das Modell ersetzt aber nicht die vollständige Stromversorgung, sondern ergänzt sie: Du beziehst weiterhin deinen Grundstrom von einem regulären Anbieter und nutzt zusätzlich den lokal geteilten Strom aus erneuerbaren Energien, wann immer er verfügbar ist.
Vorteile von Energy Sharing
• höherer Eigenverbrauch von lokal erzeugtem Solarstrom
• Kostenvorteile, weil Strom direkt vor Ort genutzt wird, statt teuer eingekauft zu werden.
• Stärkung der Energiewende, weil mehr erneuerbarer Strom genutzt wird.
Wichtige Bedingungen:
- Energy Sharing ist an lokale Netze gebunden und setzt eine digitale Messinfrastruktur (z. B. Smart Meter) voraus, damit Erzeugung und Verbrauch korrekt zugeordnet werden können:
- Gesetzliche Details zur Abrechnung und zu möglichen Vorteilen bei Netzentgelten oder Steuern sind noch in der Umsetzung:
Wenn du selbst Strom erzeugst oder dies planst, lohnt es sich zu prüfen, ob eine Beteiligung an einer Energiegemeinschaft wirtschaftlich sinnvoll ist.
Anbieterwechsel wird einfacher und schneller
Bereits in den Vorjahren angestoßen, setzt sich 2026 der Trend zu einem schnelleren Stromanbieterwechsel fort. Technisch ist ein Wechsel inzwischen innerhalb von 24 Stunden möglich. Das erhöht den Wettbewerbsdruck auf die Anbieter und macht es dir leichter, auf günstige Tarife zu reagieren.
Für dich bedeutet das:
- weniger bürokratischen Aufwand
- schnellere Reaktion auf Preissenkungen
- mehr Transparenz im Markt
Was solltest du jetzt tun? Auch wenn 2026 einige Entlastungen bringt, erfolgt eine automatische Preissenkung nicht. Bleib aktiv!
enviaM-Tipp
• Vergleiche regelmäßig Tarife, besonders bei Vertragsverlängerungen.
• Prüfe Preisanpassungsschreiben genau.
• Beachte regionale Unterschiede bei Netzentgelten.
• Prüfe die Teilnahme an Energiegemeinschaften.
• Ziehe Smart Meter und dynamische Tarife als langfristige Option in Betracht.
Stärkere Beteiligung der Kommunen am Ausbau erneuerbarer Energien
Beim Ausbau erneuerbarer Energien gibt es ebenfalls eine wichtige Neuerung: Kommunen werden künftig finanziell verbindlich beteiligt, wenn Windenergie- oder Photovoltaik-Freiflächenanlagen in ihrem Gebiet entstehen. Ziel dieser Regelung ist es, die Akzeptanz vor Ort zu erhöhen und den Ausbau erneuerbarer Energien weiter zu beschleunigen.

Während Zahlungen an Kommunen bislang nur freiwillig nach § 6 EEG möglich waren, gelten nun in allen Bundesländern unseres Netzgebietes entsprechende Landesgesetze. Damit wird die finanzielle Beteiligung der Kommunen verpflichtend.
Für dich als Kundin oder Kunde bedeutet das vor allem: Der Ausbau von Wind- und Solarenergie verläuft künftig reibungsloser, weil Kommunen direkt profitieren. Das schafft bessere Rahmenbedingungen für mehr erneuerbaren Strom vor Ort und stärkt eine sichere und nachhaltige Energieversorgung.
Neuer CO₂-Preis: Start des EU-Emissionshandels II
Auch beim CO₂-Preis ändert sich ab 2026 das System. Der bislang national festgelegte CO₂-Preis wird schrittweise durch den europäischen Emissionshandel ersetzt. Der Preis für CO₂ ergibt sich künftig nicht mehr aus einer festen Vorgabe der Bundesregierung, sondern aus Angebot und Nachfrage am Markt.
Für 2026 ist eine Preisspanne von 55 bis 65 Euro pro Tonne CO₂ vorgesehen. Wo sich der Preis konkret einpendelt, entscheidet der Handel mit CO₂-Zertifikaten. Unternehmen, die mit Brennstoffen handeln, müssen diese Zertifikate ersteigern. Voraussichtlich ab Juli 2026 finden dafür wöchentliche Auktionen an der Leipziger Energiebörse statt. Erst daraus ergibt sich der tatsächlich geltende CO₂-Preis – weshalb heute noch schwer abzuschätzen ist, wie stark sich die Kosten am Ende entwickeln.
Wichtig für dich: Steigende CO₂-Preise führen nicht automatisch zu höheren Heizkosten. Zwar nimmt der CO₂-Preis zu, gleichzeitig entfällt aber die Gasspeicherumlage. Zudem haben wir bei MITGAS die Gaspreise bereits zum Jahresbeginn gesenkt. Ob und wie sich diese Faktoren auf deine persönliche Rechnung auswirken, hängt wie immer von mehreren Komponenten ab.
Fazit: 2026 bringt für dich mehrere positive Neuerungen: geringere Umlagen, stabilere Netzentgelte, mehr Flexibilität und neue Möglichkeiten zur gemeinschaftlichen Energienutzung. Dennoch gilt: Wer sparen will, sollte den eigenen Tarif im Blick behalten und die neuen Optionen aktiv nutzen. Der Energiemarkt wird verbraucherfreundlicher – ganz ohne Eigeninitiative geht es aber auch 2026 nicht.
