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Laptopbildschirm mit Weltkarte, Binärcode und großem Vorhängeschloss-Symbol vor grünem Codehintergrund, Person im Vordergrund. Laptopbildschirm mit Weltkarte, Binärcode und großem Vorhängeschloss-Symbol vor grünem Codehintergrund, Person im Vordergrund.

Blackouts und Cyberkriminalität: Wie verwundbar sind unsere Stromnetze wirklich?

Europa ist Anfang Januar 2021 nur knapp an einem großflächigen Stromausfall vorbeigeschrammt. Nach mehreren technischen Störungen in Südosteuropa trennte sich das europäische Verbundnetz kurzfristig in zwei Teilnetze. In Nordwesteuropa sank die Netzfrequenz innerhalb weniger Sekunden auf 49,74 Hertz – ein Wert, der deutlich unter der Sollfrequenz von 50 Hertz liegt und im Extremfall einen Blackout auslösen kann. Um das Netz zu stabilisieren, griffen automatische Schutzmechanismen: Große Industriebetriebe in Frankreich und Italien reduzierten ihre Stromabnahme, zusätzliche Leistungsreserven aus anderen Netzgebieten wurden aktiviert. Nach etwas mehr als einer Stunde war das europäische Stromnetz wieder vollständig synchronisiert.

Heute gilt dieser Vorfall als gutes Analyse-Beispiel dafür, wie sensibel das hochvernetzte europäische Stromsystem ist – aber auch dafür, dass Sicherheits- und Notfallmechanismen grundsätzlich funktionieren. Die Ursache lag nicht in einem Cyberangriff, sondern in einer technischen Überlastung in einem kroatischen Umspannwerk, die eine Kettenreaktion im Netz auslöste. Dennoch hat das Ereignis die Aufmerksamkeit auf eine zentrale Frage gelenkt: Wie widerstandsfähig sind unsere Stromnetze in einer zunehmend digitalisierten Welt?

Steigende Risiken durch Digitalisierung

Auch wenn der Beinahe-Blackout von 2021 technisch verursacht war, rücken Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen seitdem stärker in den Fokus. Stromnetze werden immer intelligenter, dezentraler und digitaler. Diese Entwicklung bringt viele Vorteile mit sich – etwa eine bessere Integration erneuerbarer Energien oder eine effizientere Steuerung von Angebot und Nachfrage. Gleichzeitig erhöht sie jedoch die Angriffsfläche für Cyberkriminalität.

Silhouette einer Person vor mehreren großflächigen Monitoren mit farbig hervorgehobener Programmier- und Konsolenausgabe.

Die Sicherheitslage hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft. Allein im Jahr 2024 wurden in Deutschland über 130.000 Cyberstraftaten registriert, hinzu kamen mehr als 200.000 Angriffe aus dem Ausland oder von anonymen Quellen. Der wirtschaftliche Schaden durch Cyberangriffe wird mittlerweile auf weit über 170 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Auch Energieversorger geraten zunehmend ins Visier solcher Angriffe, wenngleich mit einem wichtigen Unterschied: Während Attacken auf Verwaltungs- oder Abrechnungssysteme häufiger vorkommen, sind erfolgreiche Cyberattacken mit direktem Einfluss auf den Netzbetrieb nach wie vor selten.

Warum es trotzdem kaum zu Blackouts kommt

Ein großflächiger Blackout durch einen Hackerangriff gilt in Deutschland und Mitteleuropa aktuell als unwahrscheinlich. Das liegt vor allem daran, dass zentrale Komponenten der Stromnetze nach wie vor stark abgesichert und teilweise bewusst von offenen IT-Netzen getrennt sind. Netzleitstellen arbeiten mit redundanten Systemen, klar definierten Notfallplänen und zunehmend auch mit Angriffserkennung in Echtzeit.
Fachleute weisen darauf hin, dass diese Trennung und die gewachsenen Sicherheitsstrukturen bislang gut funktionieren. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass dieser Zustand kein Selbstläufer ist. Mit der weiteren Digitalisierung – etwa durch intelligente Messsysteme, Ladeinfrastruktur für E Autos oder vernetzte Wärmepumpen – steigt die Komplexität der Netze erheblich. Künftige Gefahren liegen weniger in einem plötzlichen, vollständigen Stromausfall, sondern eher in punktuellen Störungen, verzögerten Schaltprozessen oder Angriffen auf Kommunikations- und Steuerungssysteme.

Strommast auf freiem Feld mit mehreren Hochspannungsleitungen, weiter Horizont und bewölkter Himmel bei tief stehender Sonne

Ein Blick nach Europa und in die Ukraine

Wie Cyberangriffe auf Stromnetze aussehen können, zeigt vor allem der Blick in die Ukraine. Dort kam es bereits vor einigen Jahren zu den weltweit ersten erfolgreichen Cyberangriffen mit gezielten Strom-ausfällen. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs spielen kombinierte Cyber- und physische Angriffe auf die Energieinfrastruktur eine große Rolle. Dennoch ist es ukrainischen Netzbetreibern gelungen, einen vollständigen Kollaps des Stromsystems zu verhindern – nicht zuletzt durch manuelle Eingriffe, Notfallpläne und eine hohe operative Erfahrung.
Diese Beispiele zeigen: Cyberangriffe auf Stromnetze sind real, aber ihnen kann begegnet werden. Entscheidend sind gut ausgebildete Fachkräfte, funktionierende Redundanzen und die Fähigkeit, auch bei digitalen Störungen handlungsfähig zu bleiben.

Investitionen in Sicherheit und Resilienz

Der Schutz kritischer Infrastrukturen ist längst zu einer Daueraufgabe geworden. Energieversorger investieren kontinuierlich in neue Sicherheitskonzepte, technische Schutzsysteme und die Schulung ihrer Mitarbeiter. In Trainingszentren werden Netzleitstellen regelmäßig auf Stör- und Angriffsszenarien vorbereitet, um im Ernstfall schnell und koordiniert reagieren zu können.
Auch der Staat unterstützt diese Entwicklung. Mit der Agentur für Innovation in der Cybersicherheit fördert der Bund gezielt Forschungsprojekte, die neue Lösungen für den Schutz kritischer Systeme entwickeln. Der Fokus liegt dabei unter anderem auf der Absicherung industrieller Steuerungssysteme und der Frage, wie sich digitale Netze auch unter Angriffen stabil betreiben lassen.

Umspannwerk mit Hochspannungsleitungen, Transformatoren und Isolatoren vor weiten gelben Rapsfeldern unter blauem Himmel.

Fazit

Blackouts durch Cyberangriffe sind kein akutes Alltagsszenario, aber ein ernst zu nehmendes Zukunftsthema. Je digitaler und vernetzter unsere Stromversorgung wird, desto wichtiger werden Sicherheit, Resilienz und vorausschauende Planung. Der Vorfall von 2021 und die Entwicklungen der vergangenen Jahre zeigen: Die Technik ist leistungsfähig, aber nicht unfehlbar. Entscheidend ist, dass Schutzmaßnahmen und Sicherheitskonzepte mit dem Wandel der Energiewelt Schritt halten.

Um unser Netz resilienter zu machen, investieren wir in den Ausbau der Infrastruktur. Details gibt es in diesem Beitrag. Im Interview mit Hartmut zeigen wir, wie wir uns vor Cyberangriffen schützen.

Strommasten auf grüner Wiese

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