Zwischen Energiezukunft, Vielfalt und Weiterbildung: im Interview mit Shaishav
Shaishav arbeitet im Assetmanagement der enviaM-Gruppe und beschäftigt sich mit einer der zentralen Fragen der Energiewende: Wie muss unser Stromnetz von morgen aussehen, damit erneuerbare Energien, Elektromobilität und neue Technologien sicher integriert werden können? Sein Weg führte ihn von Indien nach Deutschland: Nach seinem Studium der Elektrotechnik entdeckte er seine Leidenschaft für moderne Verteilnetze. Im Interview erzählt er von seinem beruflichen Weg und davon, warum kleine Gesten im Alltag einen großen Unterschied machen.
Hey Shaishav, stell dich doch kurz vor: Wer bist du und was machst du in der enviaM-Gruppe?
Ich bin Shaishav und arbeite im Assetmanagement in der Abteilung Zielnetzplanung Strom. Dort beschäftige ich mich mit der Bewertung von Einspeiseanlagen im Mittelspannungsnetz und ermittle geeignete Netzanschlusspunkte. Mein Ziel ist es, neue Anlagen sicher und effizient in unser Stromnetz zu integrieren.

Wie sah dein Weg zur enviaM-Gruppe aus und was hat dich an der Energiewirtschaft begeistert?
Meinen Bachelor in Elektrotechnik habe ich in Indien absolviert. Anschließend bin ich nach Deutschland gekommen, um meinen Master in Power Engineering an der Universität Duisburg-Essen zu machen. Schon während meines Studiums hat mich der Verteilnetzbereich besonders interessiert, weil er eine entscheidende Rolle für eine zuverlässige und zukunftsfähige Energieversorgung spielt. MITNETZ STROM hat mich als moderner, regional verwurzelter und sich stetig weiterentwickelnder Verteilnetzbetreiber besonders angesprochen. Was mich an der Energiewirtschaft begeistert, ist ihre direkte Verbindung mit der Zukunft unserer Gesellschaft. Hier treffen Technik, Nachhaltigkeit und Verantwortung aufeinander. Entscheidungen, die wir heute treffen, beeinflussen, wie sicher, klimafreundlich und leistungsfähig unsere Energieversorgung morgen sein wird.
Du arbeitest in der Zielnetzplanung Strom – was genau kann man sich darunter vorstellen?
In der Zielnetzplanung beschäftigen wir uns mit der langfristigen Entwicklung unseres Stromnetzes. Wir analysieren, welche Anforderungen künftig auf das Netz zukommen, beispielsweise durch erneuerbare Energien, Batteriespeicher, Rechenzentren oder Elektromobilität, und planen, wie das Netz darauf vorbereitet und weiterentwickelt werden muss.
Du warst zuvor als Schutztechniker tätig – wie kam es zu deinem Wechsel in die Zielnetzplanung?
Als Schutztechniker habe ich sehr praxisnah erlebt, wie wichtig ein sicherer und zuverlässiger Netzbetrieb ist. Diese Erfahrungen helfen mir auch heute in meiner Arbeit. Gleichzeitig wollte ich meinen Blick erweitern und stärker an strategischen Fragestellungen arbeiten. Die Zielnetzplanung bietet mir genau diese Möglichkeit: langfristig denken, größere Zusammenhänge verstehen und die Entwicklung unseres Netzes aktiv mitgestalten.
Was bedeutet berufliche Weiterentwicklung für dich persönlich?
Berufliche Weiterentwicklung bedeutet für mich, offen für Neues zu bleiben, kontinuierlich dazuzulernen und Verantwortung zu übernehmen. Es geht nicht nur darum, den nächsten Karriereschritt zu machen, sondern sich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. Oft entstehen neue Möglichkeiten durch Gespräche, Netzwerke und die Bereitschaft, sich auf unbekannte Themen einzulassen. Wichtig ist aus meiner Sicht, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und Chancen aktiv zu nutzen.

Welche Themen beschäftigen dich aktuell besonders?
Die Anforderungen an unsere Stromnetze wachsen immer schneller. Ohne vorausschauende Planung könnten Netze künftig an ihre Grenzen stoßen. Gerade im Zuge der Energiewende müssen wir frühzeitig erkennen, wo Verstärkungen, intelligente Lösungen oder neue Netzkonzepte notwendig sind.
Aktuell beschäftige ich mich unter anderem mit flexiblen Netzanschlussmodellen wie Flexible Connection Agreements. Sie können dabei helfen, mehr Einspeiseanlagen und Speicher schneller in das Netz zu integrieren, ohne dass in jedem Fall sofort umfangreiche Netzausbaumaßnahmen notwendig sind.
Außerdem finde ich den Einsatz von KI-Anwendungen in der Netzanschlussbewertung sehr spannend, weil neue Technologien auch unsere Arbeitsweisen verändern und weiterentwickeln können.
Welche Fähigkeit ist in deinem Job wichtiger, als viele denken?
Eine oft unterschätzte Fähigkeit ist gute Kommunikation. Technisches Wissen ist natürlich wichtig, aber genauso entscheidend ist es, komplexe Sachverhalte verständlich zu erklären, zuverlässig mit verschiedenen Schnittstellen zusammenzuarbeiten und gemeinsam lösungsorientierte Ergebnisse zu erreichen.
Was sollte man über dich wissen, das nicht in deinem Jobtitel steht?
Neben meinem Beruf bin ich ein sehr familienorientierter Mensch. Ich verbringe gerne Zeit mit meiner Familie, halte mich durch Sport und Spaziergänge aktiv und finde durch Meditation sowie persönliche Reflexion einen guten Ausgleich. Wichtig sind mir Offenheit, Hilfsbereitschaft und der Austausch mit Menschen unterschiedlicher Kulturen. Diese Balance aus Familie, persönlicher Weiterentwicklung und mentaler Stärke gibt mir viel Energie – auch für meinen Arbeitsalltag.
Du kommst ursprünglich nicht aus Deutschland. Wie hast du deinen Start hier erlebt?
Mein Start in Deutschland war spannend, aber natürlich auch herausfordernd, vor allem aufgrund der Sprache, der Kultur und der regionalen Unterschiede. Gerade die Dialekte hier in der Region unterscheiden sich teilweise deutlich von dem Deutsch, das man in Sprachkursen oder im Studium lernt.
Gleichzeitig habe ich viel Unterstützung erfahren. Das hat mir geholfen, mich Schritt für Schritt einzuleben und mich heute sehr wohlzufühlen.

Welche kulturellen Unterschiede im Arbeitsalltag sind dir besonders aufgefallen?
Mir ist aufgefallen, dass in Deutschland viel Wert auf Struktur, Planung, Verlässlichkeit und klare Kommunikation gelegt wird. Anfangs war das für mich eine Umstellung. Heute schätze ich diese Arbeitsweise sehr, weil sie Orientierung gibt und die Zusammenarbeit erleichtert.
Wie bereichert deine internationale Perspektive deinen Blick auf Teamarbeit?
Meine Perspektive hilft mir, offen auf Menschen und Situationen zuzugehen. Unterschiedliche kulturelle Erfahrungen zeigen mir, dass es häufig mehrere gute Wege gibt, eine Herausforderung zu lösen. Diese Vielfalt an Perspektiven bereichert die Zusammenarbeit, weil unterschiedliche Erfahrungen neue Blickwinkel schaffen. Besonders schätze ich den offenen Austausch und die gegenseitige Unterstützung. Jeder bringt eigene Erfahrungen und Fachwissen ein. Dadurch entstehen im Team oft Lösungen, auf die man allein vielleicht nicht gekommen wäre.
Welche kleinen Dinge können einen großen Unterschied machen, damit sich alle willkommen fühlen?
Oft sind es die kleinen Gesten, die viel bewirken: ein freundliches Gespräch, echtes Interesse, Respekt und die Bereitschaft, andere Perspektiven zu verstehen. Für mich passt dazu der Gedanke „Walking in someone else’s shoes“ – sich bewusst in die Lage eines anderen Menschen hineinzuversetzen. Diese Haltung kann im Arbeitsalltag einen großen Unterschied machen.

Welche Rahmenbedingungen machen für dich im Arbeitsalltag einen echten Unterschied?
Flexible Arbeitsbedingungen und ein vertrauensvolles Arbeitsumfeld sind für mich besonders wichtig. Sie ermöglichen konzentriertes Arbeiten, gute Zusammenarbeit und gleichzeitig eine gesunde Balance zwischen Beruf und Familie.
Shaishavs Geschichte zeigt, wie wertvoll unterschiedliche Perspektiven für die Energiezukunft und die Zusammenarbeit im Unternehmen sind. Sein Weg von Indien nach Deutschland und von der Schutztechnik in die Zielnetzplanung macht deutlich: Weiterentwicklung entsteht dort, wo Menschen neugierig bleiben, Chancen nutzen und bereit sind, neue Wege zu gehen.
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