Professor mit Start-up

Das Start-up exceeding solutions aus Merseburg hat bei der Prüfung intelligenter Messsysteme im Strombereich eine Monopolstellung in Deutschland. Für die Erfolgsgeschichte des Existenzgründers ist auch der enviaM-Netzbetreiber MITNETZ STROM verantwortlich, durch den der IT-Dienstleister auf das gewinnbringende Geschäftsfeld aufmerksam wurde. Wir sprachen mit einem der beiden Gründer und Geschäftsführer, Prof. Dr. Uwe Heuert, über den rasanten Werdegang des Unternehmens und Tipps für andere Start-ups.

Professor Heuert

Herr Prof. Heuert, wie kommt ein gut situierter Professor für Rechnernetze und virtuelle Instrumentierung an der Hochschule Merseburg dazu, ein Start-up zu gründen?

Ich hatte eigentlich überhaupt nicht auf der Agenda, Unternehmer zu werden. Ausschlaggebend war am Ende, dass an der Hochschule immer wieder Mittel für spannende Projekte fehlten. Mir kamen deshalb ständig wissenschaftliche Talente abhanden, für die es an Stellen mangelte. Diesen Zustand wollte ich gemeinsam mit meinem langjährigen wissenschaftlichen Mitarbeiter Oliver Punk ändern. Der entscheidende Anstoß kam am Ende von der STRABAG Rail in Röblingen. Das Weichenwerk machte für die Übernahme eines Projekts die Gründung eines Unternehmens zur Bedingung. Dies war die Geburtsstunde unseres Start-ups exceeding solutions im Jahr 2013.

Welches Geschäftsmodell verfolgt exceeding solutions?

Unser Geschäftsmodell ist gestern wie heute, IT-Lösungen für messtechnische und steuerungstechnische Probleme zu finden, die neudeutsch unter dem Begriff „Industrie 4.0“ zusammengefasst werden. Wir sind dabei nicht auf eine bestimmte Branche festgelegt. Besonders erfolgreich sind wir in der Energiewirtschaft. Dort haben wir bundesweit eine Monopolstellung als Prüfmittel-Hersteller für intelligente Messsysteme im Strombereich, hier speziell für die sogenannten Smart Meter Gateways. Über diese werden die Zählerdaten vom Stromverbraucher zum Messstellenbetreiber übertragen. Alle Gerätehersteller gehören inzwischen zu unseren Kunden. Den Einstieg in das Smart-Meter-Geschäft verdanken wir der Zusammenarbeit mit dem enviaM-Netzbetreiber MITNETZ STROM, der uns auf die intelligenten Stromzähler aufmerksam machte. Hier entdeckten wir sehr schnell eine Marktlücke, die wir sofort besetzt haben.

Wie verlief die Unternehmensentwicklung von exceeding solutions? War es schwer, in die Gänge zu kommen?

Wir hatten vergleichsweise wenig Startschwierigkeiten, obwohl wir weder über einen Business-Plan noch nennenswertes Fremdkapital verfügten. Zugute kam uns, dass wir als Geschäftsführung die Brücken zur Hochschule Merseburg nicht abgebrochen haben und bis heute zweigleisig fahren. Dies verschaffte uns vor allem in den Anfängen eine komfortable Ausgangssituation, da wir sozial abgesichert waren und nicht unter absolutem Erfolgszwang standen. Zudem war durch die Hochschule ein steter Fluss am sehr qualifizierten Mitarbeitern gewährleistet. Aus zwei sind so inzwischen 20 Beschäftigte geworden. Unser Umsatz ist von 100.000 auf 1,5 Millionen Euro gestiegen. 2020 peilen wir trotz Corona-Krise die 2-Millionen-Marke an.

Sie sprachen ihre komfortable Ausgangssituation als Start-up an. Dies ist nicht überall so. Wie beurteilen Sie die Rahmenbedingungen für Existenzgründer in Deutschland?

Das Gründerklima hierzulande könnte in der Tat besser sein. Die Unternehmenssteuern sind im internationalen Vergleich hoch. Die Finanzbehörden kennen bei Verstößen nur wenig Gnade. Das macht es schwierig, gerade junge Leute für die Gründung eines Unternehmens zu begeistern.

Wie lautet Ihr Rezept für die erfolgreiche Entwicklung eines Start-ups?

Entscheidend ist, dass man sich auf dem Geschäftsfeld, auf dem man sich bewegt, sehr gut auskennt und sein Handwerkszeug versteht. Dabei kommt es vor allem darauf an, Probleme zu erkennen, für die eine Lösung gesucht wird und diese zu liefern. Die Lösung muss nicht fertig sein. Häufig ist es sogar sinnvoller, sie gemeinsam mit dem Kunden zu entwickeln, da so sehr viel besser auf seine individuellen Bedürfnisse eingegangen werden kann. Wichtig ist selbstverständlich auch, nicht mehr Geld auszugeben als eingenommen wird. Wir mussten uns bis heute kein Geld borgen. Wir haben nicht einmal einen Dispo-Kredit und das ist gut so.

Was können Start-ups von etablierten Unternehmen lernen?

Die Projektleitung fällt Start-ups häufig schwer. Hier können sie sich von etablierten Unternehmen viel abschauen, in denen diese gelebte Praxis ist. Ich kann aus eigener Erfahrung nur raten, sich hier umzusehen. Dies hilft sehr bei der eigenen Projektorganisation; vor allem, wenn es darum geht, in der Zeit und im Budget zu bleiben.

Was können etablierte Unternehmen umgekehrt von Start-ups lernen?

Gerade große etablierte Unternehmen machen häufig den Fehler, in großen Projekten zu denken, die oft nur schwer und langsam umsetzbar sind. Hier könnten sie sich ein Vorbild an Startups nehmen, die mit kleinen Projekten einfach und schnell beachtliche Erfolge erzielen.

Wie sind die Chancen von Start-ups auf dem Energiemarkt?

Die Energiewirtschaft wirkt auf viele Existenzgründer aktuell eher abschreckend denn anziehend. Hauptursache ist, dass trotz Privatisierung und Liberalisierung in wichtigen Geschäftsfeldern immer noch sehr viel Regulierung und sehr wenig Markt besteht. Ein aktuelles Beispiel ist die Digitalisierung im Messwesen im Strombereich, die aufgrund der Überregulierung momentan weder die Messstellenbetreiber noch die Stromverbraucher zufriedenstellt. Dies ist sehr schade.

Mitarbeiter exceeding solutions

Das Team von exceeding solutions bietet neben Hard- und Softwarelösungen speziell für intelligente Messsysteme auch Ultraschall-Messtechnik, Lösungen für Automatisierungstechnik sowie IT-Consulting und IoT-Lösungen an. Mehr dazu finden Sie hier.

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