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Zwei Mitarbeitende diskutieren vor einer Glaswand mit Klebezetteln; ein Mann zeigt mit dem Finger auf einen blauen Zettel. Zwei Mitarbeitende diskutieren vor einer Glaswand mit Klebezetteln; ein Mann zeigt mit dem Finger auf einen blauen Zettel.

Zuhören, Orientierung geben und Brücken bauen. Im Gespräch mit unserem Mentalen Ersthelfer Daniel

Psychische Gesundheit ist ein Thema, das uns alle betrifft. Umso wichtiger ist es, Menschen zu haben, die zuhören, unterstützen und Orientierung geben, wenn das Leben einmal aus dem Gleichgewicht gerät. Einer von ihnen ist Daniel aus dem Bereich IT und Digital. Im Interview erzählt er, warum er Mentaler Ersthelfer geworden ist, wie er Kolleginnen und Kollegen unterstützt und weshalb Offenheit beim Thema mentale Gesundheit so wichtig ist.

Hey Daniel, wer bist du und was machst du bei der enviaM-Gruppe?

Ich arbeite im Bereich IT und Digital. Im Team Digital Enablement beschäftige ich mich mit Automatisierungs- und KI-Themen. Darüber hinaus bin ich als Mentaler Ersthelfer aktiv. Das war ich sogar schon vor meiner Zeit bei der enviaM-Gruppe.
Vor etwa fünf Jahren habe ich die Ausbildung zum Mentalen Ersthelfer gemacht. Das Thema mentale Gesundheit war mir schon immer wichtig. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als das Konzept auch in der enviaM-Gruppe eingeführt wurde und ich mich hier ebenfalls einbringen konnte.

Männlicher Erwachsener in blauem T‑Shirt lehnt an einem Geländer in modernem Bürogebäude und lächelt in die Kamera.

Was hat dich motiviert, Mentaler Ersthelfer zu werden, und was bedeutet dir diese Aufgabe persönlich?

In meinem privaten und beruflichen Umfeld habe ich immer wieder erlebt, dass es Menschen nicht gut ging. Früher hatte ich oft Angst nachzufragen, weil ich nicht wusste, wie ich mit schwierigen Antworten umgehen soll oder wie ich überhaupt helfen kann.
Die Ausbildung hat mir dafür Sicherheit gegeben. Ich habe gelernt, Belastungen besser zu erkennen, Menschen anzusprechen und angemessen zu unterstützen. Vor allem habe ich konkrete Werkzeuge an die Hand bekommen.
Mir liegt es, für andere Menschen da zu sein. Als Mentaler Ersthelfer kann ich Kollegen unterstützen und gleichzeitig etwas an die Organisation zurückgeben. Das ist für mich eine sehr sinnvolle Aufgabe.

Viele kennen das Angebot vielleicht noch nicht. Wie würdest du die Rolle eines Mentalen Ersthelfers beschreiben?

Ich vergleiche die Rolle gern mit der eines betrieblichen Ersthelfers. Wenn es Menschen psychisch nicht gut geht, können Mentale Ersthelfer erste Ansprechpartner sein. Wir hören zu, geben Orientierung und helfen dabei, die nächsten Schritte zu finden. Auch fällt es vielen Menschen leichter, sich zunächst einem vertrauten Kollegen anzuvertrauen.
Wichtig ist dabei, dass wir keine Therapeuten sind. Wir ersetzen keine professionelle Behandlung. Unsere Aufgabe ist es, Menschen zu begleiten und zu unterstützen, bis professionelle Hilfe verfügbar ist.
Gerade bei psychischen Erkrankungen sind die Wartezeiten auf Therapieplätze oft lang, unsere internen Beratungsangebote sind aber zum Glück kurzfristig verfügbar. Wir Mentale Ersthelfer sind dann eine wichtige Brücke, die die Betroffenen an die richtige Stelle weiterleitet.

Wie wird man eigentlich Mentaler Ersthelfer?

Dafür gibt es einen zwölfstündigen Ausbildungskurs. Dort lernen die Teilnehmer die häufigsten psychischen Erkrankungsbilder kennen und erfahren, wie Belastungen erkannt und Betroffene angesprochen werden können.
Ein wichtiger Teil der Ausbildung sind praktische Gesprächstechniken und konkrete Handlungsmöglichkeiten für unterschiedliche Situationen. Die Ausbildung orientiert sich am sogenannten ROGER-Prinzip (Reagieren. Offen sein. Geben von Unterstützung. Ermutigen. Reaktivieren.).
Besonders eindrücklich fand ich das Thema Halluzinationen beziehungsweise Stimmenhören. Durch praktische Übungen wurde sehr greifbar, wie stark solche Symptome den Alltag beeinflussen.
Manchmal höre ich, dass ich nach einer kurzen Ausbildung ja kein Psychotherapeut sei. Das stimmt natürlich. Aber genau darum geht es auch nicht. Ein Mentaler Ersthelfer soll Orientierung geben und zuhören, die professionelle Behandlung gehört weiterhin in die Hände von Fachleuten.

Gehst du aktiv auf Kolleginnen und Kollegen zu oder kommen sie zu dir?

Beides. Durch die Ausbildung nehme ich Belastungen und Warnsignale heute noch bewusster wahr. Wenn mir auffällt, dass jemand besonders gestresst wirkt oder sich deutlich verändert hat, spreche ich die Person an.
Gleichzeitig wissen viele Kollegen in unserem Bereich, dass ich Mentaler Ersthelfer bin. Ich kommuniziere das offen in verschiedenen Formaten. Sie kommen bei Bedarf gezielt auf mich zu. Das passiert ganz unterschiedlich. Manche sprechen mich im Büro an, andere bei Veranstaltungen, per Teams oder per E-Mail.
Oft geht es zunächst einfach darum, jemanden zum Zuhören zu haben oder eine Orientierung für die nächsten Schritte zu bekommen. Wenn sich jemand bei mir gemeldet hat, frage ich immer mal wieder nach, wie es dem oder derjenigen geht. Hier gilt es eine Balance zu finden zwischen „da sein“ und „aufdringlich sein“.

Mann mit JBL-Kopfhörern arbeitet am Schreibtisch und führt Videokonferenz auf zwei Monitoren; links Gesicht einer Frau im Call.

Mit welchen Themen können sich Betroffene an dich wenden?

Grundsätzlich mit allem, was die mentale Gesundheit betrifft. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Ursache privat oder beruflich ist. Das können familiäre Belastungen, persönliche Krisen oder Sorgen sein. Im beruflichen Umfeld sprechen Menschen häufig über Stress, Überlastung oder dauerhaft belastende Situationen.
Zu Beginn eines Gesprächs frage ich meistens, was die Person gerade braucht und welche Unterstützung sie sich wünscht. Wenn ich merke, dass meine Rolle dafür nicht ausreicht, zeige ich andere Unterstützungsangebote auf.
Wir haben dafür ein starkes Netzwerk. Dazu gehören beispielsweise unsere Betriebspsychologin Bianka und das Fürstenberg Institut.

Was machst du, wenn dir eine Belastung bei jemandem auffällt?

Häufig sind es Veränderungen im Verhalten, die ins Auge fallen. Manche Menschen ziehen sich zurück, wirken ungewöhnlich angespannt oder deutlich gestresster als sonst. Ich glaube, viele Menschen haben grundsätzlich ein gutes Gespür dafür. Im Arbeitsalltag nehmen wir uns nur nicht immer die Zeit, genauer hinzusehen. Dabei kann schon eine ehrliche Frage wie „Wie geht es dir wirklich?“ sehr viel bewirken.
Wenn mir etwas auffällt, suche ich das persönliche Gespräch. Ich spreche offen an, was ich wahrgenommen habe, und frage nach, wie es der Person geht. Dabei möchte ich Interesse zeigen, ohne Druck aufzubauen.
Wichtig ist mir, dass das Gespräch immer ein Angebot bleibt. Niemand ist verpflichtet, dieses anzunehmen. Unterstützung kann nur dann wirken, wenn sie freiwillig angenommen wird.

Welche Grenzen hat deine Rolle als Mentaler Ersthelfer?

Ich bin kein Therapeut und führe keine Therapie durch. Diese Grenze ist sehr wichtig. Meine Aufgabe ist es, zuzuhören und Menschen den Weg zu professioneller Unterstützung zu erleichtern.
Genauso wichtig ist es, auf die eigene mentale Gesundheit zu achten. Wer anderen helfen möchte, muss selbst handlungsfähig bleiben. Deshalb gehört eine gesunde Abgrenzung zu dieser Rolle dazu. Davon profitieren sowohl die Betroffenen als auch die Mentalen Ersthelfer.

Warum hat mentale Ersthilfe in der enviaM-Gruppe eine so große Bedeutung?

Eigentlich ist mentale Ersthilfe für alle Unternehmen wichtig. Wir leben in einer Zeit, in der Veränderungen immer schneller stattfinden und viele Menschen hohen Belastungen ausgesetzt sind. Gleichzeitig gibt es noch immer Vorurteile und Berührungsängste gegenüber psychischen Erkrankungen. Deshalb ist es wichtig, offen darüber zu sprechen und frühzeitig Unterstützung anzubieten.
Die enviaM-Gruppe setzt mit ihren Angeboten ein wichtiges Zeichen. Ziel sollte sein, Mitarbeiter langfristig gesund zu halten. Dazu gehören körperliche und psychische Gesundheit gleichermaßen.

Welche Rückmeldungen bekommst du von den Kollegen?

Die Rückmeldungen sind überwiegend sehr positiv. Viele freuen sich, dass es Mentale Ersthelfer in der enviaM-Gruppe gibt und Unterstützung unkompliziert erreichbar ist.
Besonders häufig erlebe ich Dankbarkeit. Menschen sind erleichtert, wenn jemand zuhört, sich Zeit nimmt und ihr Anliegen ernst nimmt. Oft hilft schon das Gefühl, mit einer Belastung nicht allein zu sein.

Was wünschst du dir für die Zukunft der mentalen Gesundheit im Unternehmen?

Ich wünsche mir, dass die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen weiter abnimmt. Niemand sollte das Gefühl haben, über psychische Belastungen nicht offen sprechen zu können.
Außerdem wünsche ich mir, dass Mentale Ersthelfer noch stärker präventiv wirken können. Idealerweise erkennen wir Belastungen frühzeitig und unterstützen Menschen, bevor größere Probleme entstehen.
Die enviaM-Gruppe hat bereits viele gute Angebote. Darauf können wir aufbauen und diese weiterentwickeln.

Zum Schluss noch eine persönliche Frage. Wie sorgst du selbst für deine mentale Gesundheit?

Auch mir fällt es nicht immer leicht, Grenzen zu setzen oder ,Nein’ zu sagen. Deshalb achte ich bewusst auf mich selbst. Besonders wichtig sind für mich Gespräche mit Kollegen. Der Austausch hilft oft dabei, neue Perspektiven zu gewinnen und Belastungen einzuordnen.
Außerdem ist Sport für mich ein wichtiger Ausgleich. Regelmäßiges Laufen hilft mir dabei, den Kopf freizubekommen und Stress abzubauen. Mein wichtigster Rückzugsort ist aber meine Familie. Dort finde ich Unterstützung, Kraft und den nötigen Ausgleich zum Berufsalltag.

Vielen Dank, Daniel, für die offenen Einblicke in deine Arbeit als Mentaler Ersthelfer.

Psychische Gesundheit geht uns alle an. Umso wichtiger ist es, hinzuschauen, zuzuhören und Unterstützung anzubieten. Die Mentalen Ersthelfer der enviaM-Gruppe leisten dazu einen wichtigen Beitrag und zeigen, dass oft schon ein offenes Gespräch den entscheidenden Unterschied machen kann.
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Junge Frau mit Brille lächelt an Elektronik-Arbeitsplatz und hält rote Messsonden und Kabel vor Messgeräten.

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