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Bewusst scrollen: Warum wir über Medienkompetenz sprechen

Du wolltest nur kurz aufs Handy schauen. Eine Nachricht beantworten. Vielleicht ein Video schauen. Jetzt ist eine Stunde vergangen. Der Akku ist bei 12 Prozent. Deine Aufmerksamkeit auch. Social Media kann unterhalten, inspirieren und verbinden. Gleichzeitig merken wir immer öfter: Das Scrollen hört nicht einfach auf. Der nächste Clip startet automatisch. Die nächste Story wartet schon. Und plötzlich sind aus fünf Minuten ein ganzer Abend geworden. Genau deshalb engagieren wir uns proaktiv für Medienkompetenz. Digitale Medien sind längst Teil unseres Alltags und beeinflussen nicht nur, wie wir kommunizieren, sondern auch, wie wir lernen, arbeiten und wie viel Energie wir verbrauchen.

In diesem Blogartikel nehmen wir dich mit zu unseren Workshops und Projekten rund um Medienkompetenz, zeigen dir spannende Energiefakten hinter deinem Feed und geben dir praktische Tipps, wie du bewusster online sein kannst.

Wenn Scrollen zur Gewohnheit wird

Stundenlang zocken, Videos auf TikTok schauen oder 24h-Livestream via Twitch – für viele gehört das zum Alltag. Doch die Zahlen zeigen: Das Thema hat längst eine neue Dimension erreicht. Laut der Studie „Ohne Ende Online?!“ der DAK und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf nutzen mehr als 25 Prozent der 10- bis 17-Jährigen soziale Medien riskant oder krankhaft. 4,7 Prozent gelten sogar als süchtig – das entspricht rund 1,3 Millionen Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig geraten auch die Plattformen selbst stärker in den Fokus. In Los Angeles erhielt eine 20-jährige Klägerin sechs Millionen US-Dollar Schadenersatz gegen META und YouTube. Solche Urteile stellen erstmals die Mechaniken der Plattformen, wie endloses Scrollen oder algorithmische Empfehlungen, in den Mittelpunkt. Die Diskussion ist angekommen: Social Media ist nicht nur Unterhaltung. Es ist ein System, das Aufmerksamkeit bindet. Und Aufmerksamkeit ist Energie.

Schüler am Tablet, Blackout Online-Teamspiel

Vom Swipe zum Stromverbrauch

Hierbei geht es einerseits um eben diese physische Energie und andererseits aber ebenso um physikalische Energie. Denn jeder Klick, jedes Video, jede Suchanfrage erzeugt Daten. Diese Daten verschwinden nicht einfach ins Nichts. Sie werden gespeichert, verarbeitet und übertragen. Dafür braucht es Rechenzentren, Server und jede Menge Infrastruktur. Alles Stromverbraucher, die tagtäglich laufen, um unser digitales Leben am Laufen zu halten. Vielleicht hast du es noch nicht so betrachtet: Dein Social-Media-Konsum hat einen messbaren Energieverbrauch. Jedes Video, jeder Stream und selbst der kurze Blick ins Netz summiert sich und erzeugt neben einer Masse an Daten ebenfalls Unmengen an CO₂ – ein Energiebedarf, der oft unterschätzt wird. Dabei geht es nicht darum, Social Media zu verteufeln. Es geht darum, bewusst zu scrollen, zu hinterfragen und zu reflektieren, wie viel digitale Energie wir verbrauchen.

So viel Energie steckt im Scrollen

1 Suchanfrage = ca. 0,0003 kWh
… das entspricht etwa dem Stromverbrauch einer kleinen LED-Lampe für 1 Minute.

1 Social-Media-Post = ca. 0,63 kWh
… genug, um einen Wasserkocher einmal zu betreiben.

1 Stunde Video-Streaming = ca. 0,25 kWh
… das reicht, um eine Waschmaschine für 10 Minuten laufen zu lassen.

Das Internet insgesamt verursacht rund 800 Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr
… das entspricht in etwa dem jährlichen Stromverbrauch von ganz Deutschland.

Was nach kleinen Zahlen aussieht, wächst durch Milliarden Nutzerinnen und Nutzer zu einem enormen Energiebedarf. Medienkompetenz bedeutet deshalb auch: bewusst online sein.

handy energieverbrauch

Medienkompetenz: Warum wir uns engagieren

Digitale Medien sind fester Bestandteil des Lebens junger Menschen. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Orientierung: Was ist echt? Was ist manipuliert? Wann wird Nutzung problematisch? Wie gehe ich mit Desinformation um? Genau hier setzen wir mit unseren Bildungsprojekten an. Seit 2014 arbeiten wir mit unserem Partner „Social Web macht Schule“ zusammen und unterstützen Workshops für Schüler, Eltern und Lehrkräfte. Ein besonderes Highlight: Im letzten Jahr fanden erstmals Workshops für unsere Auszubildenden statt. An drei Standorten beschäftigten sich die Azubis mit Desinformation, Deepfakes und Verschwörungsideologien. Neben Wissen ging es vor allem um Austausch, Diskussion und Reflexion des eigenen Medienverhaltens. Gerade junge Erwachsene nach der Schulzeit geraten häufig aus dem Fokus klassischer Bildungsangebote. Umso wichtiger ist es, Medienkompetenz auch im Ausbildungsumfeld zu stärken.

medienkompetenz diggies

Immer auf Augenhöhe mit den Schulklassen engagieren wir uns für einen bewussten Umgang mit sozialen Netzwerken und gegen Desinformation, Cybermobbing und Suchtgefährdung. Insbesondere durch die Unterstützung von enviaM konnten wir viele Schulen im ländlichen Raum erreichen und wiederkehrende Präventionsangebote verankern.

Marcel Burghardt Geschäftsführer von „Social Web macht Schule“

Medienkompetenz ist Lebenskompetenz

Für uns ist klar: Medienkompetenz gehört heute zur Grundausstattung. Deshalb haben wir uns 2025 entschieden, mit „diggies“, unserem neuesten Medienkompetenz-Engagement, zusammenzuarbeiten. Die Plattform bietet komplett vorbereitete digitale Unterrichtsstunden, die Lehrkräfte unkompliziert einsetzen können – egal ob in Deutsch, Mathe, Geschichte, Biologie oder Sozialkunde. Die Inhalte sind so aufgebaut, dass Schüler selbstständig lernen und üben können, zum Beispiel zu Themen wie Nachrichtenkompetenz, Pressefreiheit, Umgang mit KI oder Social Media. Mit „diggies“ erhalten Lehrkräfte ein fertiges Paket, das sich direkt im Unterricht einsetzen lässt. So können komplexe Themen leicht verständlich vermittelt werden, und die Jugendlichen trainieren spielerisch ihre Medienkompetenz, während sie gleichzeitig ein Bewusstsein für die Energie hinter digitalen Angeboten entwickeln.

Wir sponsern ein ganzes Jahr lang die Lizenz kostenfrei. Damit helfen wir den Lehrkräften bei der Ausgestaltung eines abwechslungsreichen Unterrichts mit besonderem Augenmerk auf Energie-, Umwelt- und Medienbildung effektiv. Ich freue mich, dass wir über diesen Weg den Alltag der Schüler nachhaltig bereichern und zum Selbstlernen motivieren.

Ellen Haunstein Projektleiterin Energiebildung, enviaM Gruppe
andreas schönkäs

So probierst du diggies aus

Du bist Lehrer an einer Schule in unserem Grundversorgungsgebiet? Dann schreib einfach eine Mail an kontakt@diggies.de, um die Unterrichtsinhalte auszuprobieren. Du erhältst einen persönlichen Gutscheincode, mit dem du dich auf diggies.de einloggen kannst. Ein Jahr lang stehen dir dann alle digitalen Unterrichtsstunden kostenlos zur Verfügung.

Medienkompetenz beginnt nicht erst im Job

Besonders junge Menschen erleben täglich, wie stark Social Media den Alltag prägt. Nachrichten kommen im Sekundentakt. Trends wechseln stündlich. Der Druck, nichts zu verpassen, wächst. Genau hier setzt auch unsere Arbeit in der Ausbildung an. Seit März 2025 unterstützt uns Sozialpädagoge Andreas Schönekäs. Er begleitet unsere Auszubildenden bei Themen, die über die Ausbildung hinausgehen – von der ersten eigenen Wohnung bis zur Suchtprävention.

Viele merken gar nicht, wie stark Social Media ihren Alltag beeinflusst. Es geht nicht darum, weniger online zu sein, sondern bewusster. Wer versteht, wie Plattformen funktionieren, kann selbst entscheiden, wann Schluss ist und wann es guttut, das Smartphone auch mal wegzulegen.

Andreas Schönekäs Sozialpädagoge, enviaM-Gruppe

Mini-Check-Selbsttest

Jetzt bist du gefragt: Wie oft erwischst du dich dabei, dass Social Media mehr von dir fordert, als dir bewusst ist? Mach den kleinen Selbsttest:

➝ Greifst du automatisch zum Handy, sobald es ruhig wird oder du gerade nichts zu tun hast?
➝ Scrollst du länger, als du ursprünglich geplant hattest?
➝ Sagst du dir ‚nur noch ein Video‘ – und plötzlich sind es Dutzende Clips?
➝ Fällt es dir schwer, Push-Nachrichten, Likes oder Benachrichtigungen zu ignorieren?
➝ Checkst du Apps sogar, wenn du eigentlich schon fertig bist?
➝ Fühlst du dich nach längerem Scrollen oft müde, unruhig oder unkonzentriert?

Wenn du mehr als zwei Fragen mit „Ja“ beantwortest, bist du im ganz normalen Social-Media-Alltag angekommen. Genau hier setzt Medienkompetenz an: Es geht darum, bewusster zu scrollen, dein Verhalten zu reflektieren und die Energie hinter deinem digitalen Konsum zu erkennen. So kannst du nicht nur deine eigene Aufmerksamkeit und Konzentration schützen, sondern auch verstehen, wie viel echte Energie hinter jedem Klick, jedem Video und jedem Post steckt – im Netz und in deinem Alltag.

schüler medienkompetenz

Wenn die digitale Welt Spuren hinterlässt

Social Media, Streaming oder Gaming gehören heute ganz selbstverständlich zu unserem Leben. Und natürlich ist digitale Unterhaltung nicht grundsätzlich etwas Schlechtes. Problematisch wird es aber dann, wenn aus bewusster Nutzung ein Dauerzustand wird und genau das beobachten Experten immer häufiger. Denn übermäßiger Medienkonsum verändert nicht nur unseren Alltag, sondern kann sich auch auf Körper, Psyche und zwischenmenschliche Beziehungen auswirken. Studien zeigen, dass vor allem junge Menschen unter permanentem Medienkonsum leiden können. Die Folgen reichen von Konzentrationsproblemen bis hin zu emotionaler Erschöpfung.

Mögliche Auswirkungen können sein:

  • eingeschränkte Aufmerksamkeit und Konzentration
  • schlechtere Informationsverarbeitung
  • geringere schulische Leistungen
  • höheres Risiko für Depressionen und Angstgefühle
  • sinkendes Selbstwertgefühl durch ständige Vergleiche
  • schlechter Schlaf durch dauerhafte Bildschirmzeit
  • weniger echte soziale Nähe trotz permanenter Vernetzung

Gerade bei Kindern und Jugendlichen spielt dabei auch die Lebensphase eine wichtige Rolle. Während jüngere Kinder häufig Orientierung und klare Regeln benötigen, stehen Teenager oft stärker unter sozialem Druck: dazugehören, reagieren, online präsent sein. Das Smartphone wird schnell zum ständigen Begleiter – selbst in Momenten, die eigentlich Erholung bringen sollten. Umso wichtiger ist es, frühzeitig einen bewussten Umgang mit Medien zu lernen. Dabei geht es nicht um Verbote oder darum, komplett offline zu leben. Vielmehr helfen kleine Veränderungen im Alltag dabei, digitale Balance zu schaffen.

Kleine Veränderungen mit großer Wirkung

➝ Das Smartphone am besten eine Stunde vor dem Schlafengehen weglegen
➝ Bildschirmfreie Zonen schaffen, z. B. beim Essen oder im Schlafzimmer
➝ Statt Dauerzugang lieber klare Medienzeiten vereinbaren
➝ Offline-Hobbys fördern: Sportverein, Musik, Treffen mit Freunden oder Familienzeit
➝ Medien nicht automatisch als Trost oder Belohnung einsetzen
➝ Mit Kindern und Jugendlichen über Inhalte sprechen – nicht nur Regeln aufstellen
➝ Als Erwachsene Vorbild sein: Wer selbst ständig aufs Handy schaut, sendet unbewusst Signale mit

Unser Fazit: Weniger Feed, mehr Fokus

Social Media wird bleiben. Und das ist gut so. Plattformen verbinden Menschen, schaffen Kreativität und ermöglichen Austausch. Aber wie bei jeder Energiequelle gilt auch hier: Entscheidend ist, wie wir sie nutzen. Mit unseren Projekten wollen wir genau dafür sensibilisieren – in Schulen, in der Ausbildung und in der Region. Damit aus endlosem Scrollen wieder bewusste Nutzung wird. Und damit der Akku am Ende des Tages nicht nur im Smartphone länger hält, sondern auch im Kopf. Du willst noch tiefer einsteigen? Dann kannst du hier nachlesen, wie viel Strom das Internet verbraucht und was das mit Rechenzentren zu tun hat. Und in diesem Bloginterview geht es digital weiter – mit einem Blick hinter die Kulissen unseres Digitalen Zwillings.

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