Der Audi e-tron im Test

Unser Kollege Sebastian Faber arbeitet in der Gruppe Elektromobilität. Er beschäftigt sich beruflich hauptsächlich mit Produktentwicklung und unterstützt den Vertrieb bei allen Fragen rund um die Elektromobilität. Aber auch privat üben Elektroautos eine gewisse Faszination auf ihn aus. Vor einiger Zeit hatte er die Möglichkeit, den Audi e-tron Probe zu fahren. Mit dabei: Sein Schwiegervater.

Sebastian Faber

Ein Erfahrungsbericht

Der Test war ein Zufallsprodukt. Mein Schwiegervater wollte gern einmal ein Elektroauto fahren. Neugier gepaart mit einer gewissen Audi-Affinität führten zur Probefahrt des Audi e-tron. Ich wollte mir vor allem ein Bild vom Auto und dessen Alltagstauglichkeit hinsichtlich Ladevorgang und Reichweite machen. Und zugegebenermaßen auch ein kleines bisschen den Kenntnisstand des Autohändlers testen.

Das Fahrzeug stellte ein Audi-Zentrum im südlichen Sachsen zur Verfügung. Zu Standardfragen wie Preis und Verfügbarkeit gab es schnell eine Antwort. Listenpreis – tief einatmen – circa 106.000 Euro. Spezifischere Fragen zur eMobilität waren dann eher so naja. Mögliche Ladeleistungen sind unbekannt. Das Notstromladekabel sei die erste Wahl zum Laden (Ist es NICHT!) und die Reichweite könne massiv durch die „Reputation“ verlängert werden. Dass die Bremstechnologie zur Rückgewinnung von Energie „Rekuperation“ heißt, habe ich aus Rücksicht auf den Verkäufer verschwiegen.

Im Außenbereich waren zwei Wallboxen sowie eine Schnellladestation mit 50 Kilowatt installiert. Zwar wurden hier die Mindestanforderungen von Audi erfüllt. In Anbetracht dessen, dass die potenzielle Ladeleistung des e-tron 150 Kilowatt beträgt, ist schon jetzt Nachholbedarf gegeben. Für das Laden unterwegs bekamen wir leider keine Ladekarte. Glücklicherweise hatte ich unsere enviaM-Mobilitätskarte dabei.

Audi e-tron

Wir starteten auf die Autobahn Richtung Chemnitz. Das Fahrzeug wirkte, wie erwartet, sehr nobel und technisch anspruchsvoll. Mehrere intuitiv zu bedienende Displays führen durch die verschiedenen Funktionen. Beeindruckt hat uns die 3D-Simulation des Parkassistenten, welche mit Hilfe von Außensensoren ein 3D-Bild des Fahrzeugs und der Umgebung erzeugt.

Bruce Springsteen und die Klimaanlage

Die Beschleunigung des e-trons sorgte bei meinem Schwiegervater für ein breites Grinsen. Sie ist vergleichbar mit der des BMW i3, und dass obwohl 2,5 Tonnen vom Fleck bewegt werden müssen. Die vom Hersteller avisierte Reichweite von mehr als 400 Kilometer liegt realistisch betrachtet eher bei etwa 300 Kilometer. Das hängt natürlich vom eigenen Fahrstil ab. Gleichzeitig Bruce Springsteen in voller Lautstärke zu hören und die Klimaanlage in Betrieb zu haben, führten zu keiner merklich geringeren Reichweite. Schnellte die digitale Tachonadel jedoch auf 150 km/h, fielen die Kilowattstunden buchstäblich aus dem „Auspuff“. Hier gilt also wie überall: hohe Geschwindigkeit und Reichweite passen nicht so gut zusammen. Negativ aufgefallen ist mir die Rekuperation und das lag nicht am Verkäufer. Sie soll sich in drei Stufen intelligent einschalten, eine verstärkte Bremswirkung konnte ich jedoch kaum feststellen. Manuell funktioniert diese hingegen sehr gut.

Geladen wurde an der Schnellladesäule am enviaM-Standort in Chemnitz – so zumindest der Plan. Das Kabel des Schnellladepunktes war für den großen e-tron einfach zu kurz, da die Ladebuchse vorne links platziert ist. Audi bietet gegen Aufpreis eine beidseitige Platzierung der Ladebuchse an. Glücklicherweise war der neben uns parkende Zoe aufgeladen und räumte den Ladepunkt für uns. Beim Ladevorgang zeigte sich dann das Dilemma zwischen Akkugröße und Ladeleistung. Während zum Beispiel ein BMW i3 an dieser Ladestation in gut einer halben Stunde voll ist, benötigt der e-tron fast dreimal so lang.

Audi e-tron

Das Fazit

Der Audi e-tron ist optisch und technisch ein tolles Fahrzeug. Meines Erachtens nach ist er allerdings nicht mehr als ein Prestigeobjekt für diejenigen mit dem nötigen Kleingeld. Der Elektromobilität wird er meiner Meinung nach nicht zum absoluten Durchbruch verhelfen. Meinem Schwiegervater fehlte es in erster Linie an Reichweite, um seine beruflich notwendigen Distanzen abzudecken. Außerdem passt ein Elektroauto vielleicht auch nicht ganz so gut zu seinem eher sportlichen Fahrstil.

Rein technisch gibt es keine großen Besonderheiten. Die offiziell angegebene Reichweite ist als Richtwert zu betrachten, der bei Geschwindigkeiten bis 130 km/h durchaus erreichbar ist. Wer sich für Elektromobilität entscheidet muss sich bewusst sein, dass sich sein bisheriges Fahr- und „Tank“-Verhalten verändert. Gemäßigtes Tempo auf Autobahnen, geladen wird vorrangig zu Hause oder am Arbeitsplatz und nicht wie gewohnt an der Tankstelle.

Beim Personal des Autohauses ist zugegeben noch einiges an Wissen aufzubauen. Die Beratung des Autoverkäufers beschränkt sich künftig nicht nur auf das Fahrzeug. Passende Angebote für eine „Heimtankstelle“ müssen zum Beratungsportfolio gehören. enviaM hat da auch schon etwas im Peto: Unsere TÜV-Schulung für Autohäuser.

Mehr Wissenswertes zur Elektromobilität gibt es auch in folgenden Beiträgen:

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