Volles Haus bei „Energie Umwelt Zukunft“ in Leipzig

Die jährlich in Leipzig stattfindende Fachtagung „Energie Umwelt Zukunft“ (EUZ) von enviaM und MITGAS war mit rund 400 Teilnehmern wieder sehr gut besucht. Klimaschutz, Gas 2030 und Digitalisierung standen bei der 21. Ausgabe übergreifend beim Eröffnungsforum auf der Agenda.

Wetter ist nicht gleich Klima

Entsprechend der Debatte der vergangenen Monate, die kein Schlagwort so sehr bestimmte wie der Klimawandel, griff die EUZ das Thema auf. Da im öffentlichen Diskurs unterschiedliche Annahmen und Begriffe kursieren, versuchte Michaela Koschak, Diplom-Meteorologin und Wetterexpertin des MDR, im ersten Vortrag „Wetter ist nicht gleich Klima“, Erkenntnis in die Debatte zu bringen:

Wetter ist das Empfinden des Jetzt-Zustandes, während Klima die Betrachtung des statistischen Zustandes über 30 Jahre darstellt. Durch die sozialen Medien besteht der Eindruck, dass Wetterphänomene gehäuft auftreten, auch wenn wir sie heute noch nicht statistisch beurteilen können. Die Erde ist immer im Wandel. Es ist extrem schwierig, Wetter zu verstehen. Klima zu verstehen ist noch viel komplexer und unterliegt einer hohen Fehleranfälligkeit. Es gibt natürliche und anthropogene Ursachen des Klimawandels.

Erdgas spielt eine entscheidende Rolle

Der Fokus des Eröffnungsforums richtete sich in diesem Jahr außerdem auf Gas und Wärme. Der Vortrag von Ministerialdirigent Ulrich Benterbusch, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, thematisierte die bisher von der Politik wenig beachtete Rolle von Gas in der Energiewende bis 2030:

Nach dem Kohle- und Atomausstieg müssen gasförmige Energieträger langfristig Bestandteil unseres Energieverbrauchs sein. Nur auf erneuerbare Energien zu setzen ist nicht realistisch, wenn wir Bezahlbarkeit, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit erreichen wollen. Erdgas hat eine wichtige Brückenfunktion bis 2050. Die Gaswirtschaft steht vor einem langfristigen Transformationsprozess hin zu grünen Gasen.

Die zukünftige Heizungstechnik im Kontext von Klimawandel und Modernisierungsstau beleuchtete Uwe Glock, Geschäftsführer von Bosch Thermotechnik und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Heizungsindustrie:

Unsere Klimaziele haben wir in Deutschland bisher verfehlt. Die Ziele für 2030 werden schwer erreichbar, wenn wir so weitermachen. Das Potential der Wärmewende liegt in Bestandsgebäuden, nicht im Neubau. Deutsche Heizungskeller verantworten einen Großteil der Energiewende. 2/3 der CO2-Einsparung geht über die Gebäudetechnik.

Fachforen Strom & Erdgas

Im zweiten Teil bot die Fachtagung wieder spezifische Erdgas- und Stromthemen an. Das Fachforum Erdgas unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Michael Kubessa (HTWK Leipzig) behandelte beispielsweise das neue Gebäudeenergiegesetz und seine Auswirkungen in der Praxis, Wasserstoff im Verteilnetz sowie die Brennstoffzellentechnologie und stellte mehrere Anwendungsbeispiele der modernen Geräte- und Gebäudetechnik vor. Das Fachforum Strom unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Faouzi Derbel (HTWK Leipzig) fokussierte Themen wie Digitalisierung in ländlichen Verteilnetzen, Smart City, Schnelladeinfrastruktur für Elektroautos, nachhaltige Mobilität, Gebäudekommunikation und Datensicherheit sowie intelligente Wärmespeicherheizungen.

Die umfangreiche Fachausstellung zu modernen Energieanwendungen flankierte das Vortragsprogramm. Erstmalig in diesem Jahr gab es dort einen Impulsvortrag: Maximilian Pagel, Student an der HTWK Leipzig, stellte eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung eines Brennstoffzellengerätes vor.

Die Beiträge sind unter www.energiefachtagung.com einsehbar und können kostenlos heruntergeladen werden. Neben MITGAS und MITNETZ GAS, enviaM und MITNETZ STROM sind die HTWK, Bosch und Buderus Veranstalter der Fachtagung. Die Zielgruppe sind Architekten, Ingenieure, Planer, Wohnungswirtschaft, kommunale Energieexperten, Installateure und Energiedienstleister, die verschiedene Energieformen und -techniken praktisch anwenden.

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