Spannungen in der Energiewende – 6. Ostdeutsches Energieforum

Die Energiewende im Spannungsfeld regionaler, nationaler und europäischer Interessen – darüber diskutierten rund 350 Gäste aus Energiewirtschaft, Wissenschaft und Politik auf dem 6. Ostdeutschen Energieforum am 29. und 30. August in Leipzig.

Gleich im ersten Diskussionspanel wurde enviaM-Vorstandvorsitzender Tim Hartmann deutlich und bezog klare Position: „Die Energiewende findet im Verteilnetz statt. Sie ist dezentral und muss auch dezentral gemanagt werden. Es käme ja auch niemand auf die Idee, die Ampeln in Leipzig von Berlin aus zu steuern. Von daher Schluss mit Monstertrassen. Die Bürger wollen die Energiewende flexibel vor Ort gelöst haben.“

Zustimmung und Applaus aus dem Publikum gab es auch für seine Aussage, dass aus der Stromwende endlich eine echte Energiewende werden müsse und dies nur mit einer Wärme- und Verkehrswende einhergehen könne.

Eine solche – sogenannte – sektorübergreifende Diskussion forderte ebenfalls Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee, der die Energiewende nach wie vor als Chance und Deutschland dabei als Vorreiter sieht. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff betonte, dass noch nicht alle Ziele erreicht sind. „Wir (die Politik) müssen vor allem mit den Unternehmen eine Linie finden.“ Zu viel laufe noch ungesteuert, sagte er.

Die Verkehrswende thematisierte auch enviaM-Vertriebsvorstand Dr. Andreas Auerbach im Fachforum „Mobilität“ ein. Patrick Schöne, Geschäftsführer bei teilAuto, zeigte großes Potenzial für Carsharing im urbanen Raum auf. Das Modell bedeute Entlastung für die Parkplatzsituation in den Innenstädten und mehr Mobilität für Menschen ohne Auto. Denkmuster aufbrechen und Entwicklungen vorantreiben – das waren die bestimmenden Aussagen zur Mobilität der Zukunft, besonders in puncto Elektrofahrzeuge.

„Wir fahren künftig nicht mehr an einen Punkt, um zu tanken, sondern laden unsere Autos dezentral zu Hause oder im Büro. Dazu brauchen wir das Internet der Energie. Gemeinsam mit regionalen Partnern arbeiten wir daran, die Elektromobilität ins Netz einzubinden“, erklärte Dr. Auerbach.

Prof. Achim Kampker, Geschäftsführer der StreetScooter GmbH, mahnte, nicht an Altem festzuhalten oder auf andere zu warten. „Jeder von uns kann etwas tun. Viele Dinge lassen sich auch gegen Widerstände lösen.“ Das Tochterunternehmen von DHL entwickelt elektrische Nutzfahrzeuge. 2016 hatte es von sich Reden gemacht, als DHL bekannt gab, mit elektrischen Lieferwagen für die letzte Meile in Serie zu gehen.

Auch Dr. Carl Friedrich Eckhardt von der BMW Group untermauerte Kampkers Aussage. Er appellierte, nicht mehr lange zu forschen, sondern im Land der Denker beherzt umzusetzen. „Die Elektromobilität ist startklar.“