Was macht ein Wäschekorb auf dem Strommast?

In den vergangenen Wochen überprüften die Kollegen der MITNETZ STROM ihre Hochspannungsfreileitungen aus dem Hubschrauber heraus. Beschädigungen und Gefährdungen an Leitungen und Masten, die vom Boden nur schwer zu erkennen sind, werden dabei aufgespürt. Die Mitarbeiter dokumentieren die Befunde und leiten erforderliche Maßnahmen ein. Die Begutachtung dient einer sicheren und stabilen Stromversorgung. Kontrolliert wurden alle Hochspannungsleitungen im Netzgebiet auf einer Fläche von rund 30.000 Quadratkilometern. Auf insgesamt 6.000 Kilometer Trassenlänge werden jeweils zwei Leitungssysteme geführt, insgesamt also 12.000 Kilometer Hochspannungsleitungen in Teilen von Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen.

In Südbrandenburg flogen die Kollegen unter anderem über das im Bau befindliche Umspannwerk Großräschen. Das Umspannwerk wird seit Mitte 2016 erweitert, um insbesondere die aus erneuerbaren Erzeugungsanlagen produzierten Energiemengen aus dem Teil des Landkreises Oberspreewald-Lausitz sowie dem benachbarten Landkreis Elbe-Elster abzutransportieren. Das Umspannwerk wird somit zu einem zentralen Übergabepunkt zum vorgelagerten Netz der 50Hertz Transmission GmbH.

Leitungsbefliegung, Umspannwerk Großräschen

Wir haben mit unserem Kollegen Frank Müller über die Leitungsbefliegung gesprochen.

Wie oft werden diese Kontrollflüge durchgeführt?

Die Leitungen werden jährlich vom Hubschrauber aus inspiziert. Die Befliegungen finden einmal im Frühjahr und einmal im Spätsommer/Herbst objektbezogen statt. Leitungen, die beispielsweise durch einen kritischen Bewuchs gefährdet sein könnten, werden vorzugsweise im Herbst kontrolliert.

Wie lange sind die Mitarbeiter in der Luft?

Die Mitarbeiter sind rund sechs Stunden pro Tag in der Luft, unterbrochen durch zwei Tankstopps auf Flugplätzen in der Region.

Wie hoch fliegen die Hubschrauber? Wie nahe kommen sie an die Leitungen heran?

Die Freileitungstrassen werden mit einer Geschwindigkeit von 15 bis 30 km/h auf einer Flughöhe von ungefähr 20 Metern abgeflogen. Dabei fliegt der Pilot im Abstand von 15 Metern neben der Leitung. Sollten bei einem Flug Vögel gesichtet werden, die auf dem Mast ihr Nest gebaut haben und brüten oder Pferde auf der Weide, wird im großen Bogen um diesen Bereich herum geflogen, um die Tiere zu schützen.

Was genau lässt sich aus dieser Höhe erkennen?

Die Mitarbeiter dokumentieren und erfassen alle erkennbaren Unregelmäßigkeiten, Beschädigungen und Gefährdungen. Das Augenmerk der Kontrollen richtet sich auf die Freileitungsbauteile wie Seile, Mastkonstruktionen, Isolatoren und Armaturen, aber auch auf Veränderungen im Trassenbereich. So werden zum Beispiel Seilbeschädigungen infolge von Blitzeinschlägen, Deformationen von Mastbauteilen, kritischer Bewuchs, Fremdkörper, beschädigte Isolatoren, aber auch Gefährdungen durch unsachgemäßen Einsatz von Großgeräten im Trassenbereich rechtzeitig erkannt.

Leitungsbefliegung im Netzgebiet der MITNETZ STROM
Leitungsbefliegung im Netzgebiet der MITNETZ STROM
Leitungsbefliegung im Netzgebiet der MITNETZ STROM
Leitungsbefliegung im Netzgebiet der MITNETZ STROM

Warum werden diese Kontrollflüge durchgeführt?

Über die 110-Kilovolt-Hochspannungsfreileitungen wird der Strom zwischen den Umspannwerken der MITNETZ STROM verteilt. Sie sind somit von wesentlicher Bedeutung für die sichere Versorgung der Stromkunden. Deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle der Anlagen- und Betriebssicherheit erforderlich.

Besitzt MITNETZ STROM selbst einen Hubschrauber oder wird dieser für die Kontrollflüge angemietet?

Für die Kontrollen wird ein Hubschrauber gechartert. Bereits seit mehreren Jahren beauftragen wir dazu die Firma DHD Heliservice GmbH aus Groß Kreutz (Havel).

Wie viele Mitarbeiter sind bei den Kontrollflügen mit dabei?

An der Befliegung nehmen außer dem Piloten zwei Mitarbeiter der MITNETZ STROM teil, die über die notwendige Anlagenkenntnis verfügen.

Welche Kuriositäten haben die Piloten bei ihren Flügen schon einmal entdeckt?

Spielzeugdrachen, die in der Leitung hängen geblieben sind. Ein Wäschekorb aus Plastik oben auf dem Mast, der von Hobby-Naturschützern als Nisthilfe dort montiert wurde. Kranberührungen auf sogenannten „wilden Baustellen“, also Baustellen ohne Genehmigungen zum Einsatz von ausladenden Geräten; Waldbrände; entlaufene und tote Nutztiere.