Klimaschutz, Corona und der Strompreis

Corona hat die Wirtschaft in eine tiefe Krise gestürzt. Viele Unternehmen kämpfen um ihr Überleben. Für die Politik ist der Klimaschutz damit kurzfristig in den Hintergrund getreten. Doch mit den zunehmenden Lockerungen und dem Wiederanlaufen der Wirtschaft ändert sich dies. Der Ruf nach klimafreundlichen Konjunkturprogrammen wird immer lauter. Auch die enviaM-Gruppe hat sich klar dafür ausgesprochen. Wir haben darüber mit unserem CEO Dr. Stephan Lowis gesprochen.

Stephan Lowis CEO enviaM

Passen Klimaschutz und die Bekämpfung der Corona-Wirtschaftskrise unter einen Hut?

Klares Ja. Der Klimaschutz muss trotz Corona-Krise mit Priorität vorangetrieben werden. Es darf hier kein „oder“ sondern nur ein „und“ geben, sonst rennt uns die Zeit davon. Die vorgesehenen Konjunkturprogramme müssen zwingend Investitionen in den Klimaschutz enthalten.

Wie soll das ihrer Meinung nach gehen?

Mit sinkenden Strompreisen. Ja… das klingt erstmal widersprüchlich. Doch es ist der richtige Weg. Strom ist in der Wirtschaft ein unverzichtbarer Produktionsfaktor. Egal ob Industrie, Handel oder Gewerbe – Stromkosten fallen bei der Kostenrechnung in vielen Unternehmen richtig ins Gewicht.
Dabei ist Strom in Deutschland sehr teuer. Dies liegt vor allem an den zahlreichen Steuern, Abgaben und Umlagen. Sie machen im Schnitt mehr als die Hälfte des Strompreises aus. Eine deutliche Senkung würde daher die Kosten vor allem bei kleinen und mittleren Unternehmen reduzieren und deren Wettbewerbsfähigkeit verbessern.

Was hätten Privatkunden davon? Haben Sie die vergessen?

Auf keinen Fall. Sie zahlen ebenso Steuern, Abgaben und Umlagen und würden auch entlastet. Und wenn Haushalte mehr Geld zur Verfügung haben, steigert das die Kaufkraft. In Summe würde also die gesamte Konjunktur profitieren.

Wie lässt sich eine Senkung des Strompreises aus Ihrer Sicht erreichen?

Ansatzpunkte sind vor allem die EEG-Umlage, die Stromsteuer und der Mehrwertsteuersatz. Wenn diese gesenkt würden, könnte der Strom unterm Strich mehr als 25 Prozent günstiger werden. Hierfür haben wir konkrete Vorschläge gemacht.

Und wie kann ein sinkender Strompreis dem Klima helfen?

Die Stromwende ist weit fortgeschritten. Rein rechnerisch können wir bereits heute die Kunden in unserem Netzgebiet vollständig mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgen. Um das auch in der Mobilität, Industrie und Wärmeerzeugung zu erreichen, müssen wir diese elektrifizieren oder den erneuerbaren Strom in andere Energieformen umwandeln. Das ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern auch der Anreize. Der Strompreis spielt dabei eine entscheidende Rolle. Je günstiger er ist, desto eher lohnt sich zum Beispiel die Elektrifizierung des Produktionsprozesses oder eben ein Elektrofahrzeug. Das hilft Umwelt und Klima.

Stellt sich noch die Frage nach der Finanzierung?

Der Stromkunde trägt die Kosten der Energiewende bisher nahezu allein. Jede verbrauchte Kilowattstunde wird dafür mit diversen Umlagen, Abgaben und Steuern belastet. Werden diese als Kompensation für das in der Stromerzeugung freigesetzte Kohlendioxid (CO2) gerechnet, so zahlt jeder Stromkunde fast 200 Euro pro Tonne CO2. Das muss sich zwingend ändern.

Und wie soll das konkret aussehen?

Der größte Effekt liegt in der Senkung der EEG-Umlage. Hier sprechen wir uns für eine dauerhafte Deckelung auf 5 Cent je Kilowattstunde aus. Auch Stromsteuer und Mehrwertsteuer sollte man senken. Insgesamt ließen sich so bis zu 180 Euro pro Jahr* für unsere Kunden sparen. Das ist doch schon eine ganze Menge.

Das beschert dem Staat aber deutlich geringere Steuereinnahmen…?

Das stimmt. Allerdings führen die Maßnahmen zu mehr Kaufkraft bei den Verbrauchern. Das wiederum steigert die Wirtschaftsleistung der Unternehmen und damit die Steuereinnahmen des Staates.

 

*berechnet für einen enviaM-Privatkunden in der Grundversorgung mit einem typischen Durchschnittsverbrauch von 2.000 Kilowattstunden pro Jahr

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