Eine Insel lebt autark: Mit Sonne, Wind und Stroh

Dänemark möchte bis 2050 die komplette Energieversorgung – also Strom, Wärme und Verkehr – vollständig auf erneuerbare Energien umstellen. Bereits 1997 schrieb das dänische Energieministerium einen Wettbewerb aus, in dem es eine Region suchte, die mit frei verfügbarer Technik und ohne staatliche Sonderhilfen CO2-neutral werden sollte. Denn nur so wären die Ergebnisse gut auf andere Regionen bzw. Länder übertragbar. Ein Ingenieur aus Aarhus gewann mit seinem Konzept für die Insel Samsø diesen Wettbewerb. Samsø zählt etwa 3.500 Einwohner und hat mit 115 Quadratkilometern eine vergleichbare Größe wie Sylt. Mittlerweile ist der idyllische Fleck an der Ostsee nicht nur autark, sondern produziert mehr Energie, als er verbraucht und nimmt somit eine Vorbildfunktion weit über die Grenzen Dänemarks hinaus ein.

Leuchtturm auf der dänischen Insel Samso

Energie aus Sonne und Wind

Sonnenkollektoren und Windparks sind neben malerischen Sandstränden Teil des Inselbildes. Auf Samsø kommt der Strom nicht von einem traditionellen Elektrizitätswerk in die Steckdose, sondern von vielen kleinen Energiespendern. Bereits vor über 20 Jahren kaufte ein Landwirt den ersten Windpark der Insel im Wert von über einer Million Euro. Mit diesem Traum stürzte er sich in hohe Schulden, legte aber gleichzeitig den Grundstein für die Energiewende auf Samsø. Andere Inselbewohner zogen mit, legten Geld zusammen und schafften sich kleine Blockheizkraftwerke an. Dort verwandeln sie bis heute Stroh zu Strom. Elf Windkraftanlagen produzieren die Energiemenge, die die Inselbewohner für ihr tägliches Leben verbrauchen. Wenn der Wind besonders kräftig bläst, bleibt sogar noch Strom für das Festland übrig. Die Bewohner fahren ausschließlich mit Elektroautos über die Insel und zapfen an einer Solartankstelle Strom.

Aus Stroh wird Strom

Auf Samsø wird großflächig Stroh angebaut. Mit dessen Hilfe wurde die CO2-Bilanz nach und nach neutral und die Insel erreichte die angestrebte Autarkie. 150 Ballen des Naturproduktes entsprechen 30 Tonnen Erdöl.

mehrere Strohballen liegen auf einem Feld

Das einzige, woran sich die Inselbewohner noch stören, ist die elektrische Fähre, welche immer noch etwas Diesel zum Fahren benötigt. Die Batterietechnik ist noch nicht weit genug und außerdem zu teuer. Jedoch besteht der Treibstoff zum größten Teil aus Bio-Material und Plastikabfall.

Energie-Bildung im Rapsfeld

Jedes Jahr kommen mehr als 5.000 Schüler, Journalisten und Politiker aus aller Welt nach Samsø, um einen Einblick in die Energieprojekte zu erhalten und sich inspirieren zu lassen. Für den Besucheransturm wurde inmitten eines Rapsfeldes eine Energie-Akademie errichtet. Dort empfangen die Insel-Bewohner die Interessenten und geben ihnen Ideen und Tipps mit auf den Weg Richtung Energiezukunft. Die Einrichtung dient ebenfalls als Koordinationsstelle für Projekte der nachhaltigen Energieerzeugung.

Mehr Informationen zur Insel gibt es unter www.visitsamsoe.dk.

Weitere Einblicke liefert der kleine Film des NDR.

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