Cyberkriminalität bedroht Stromnetze

Hacker greifen Stromnetze an und verursachen einen Blackout. Was wie ein schlechter Krimi klingt, kann jederzeit Realität werden. Im Dezember 2015 ist genau dies in der Ukraine passiert. Betroffen waren drei Stromversorger. Der Blackout wurde durch Eingriffe in die Netzleittechnik und die Abkopplung mehrerer Umspannwerke vom Netz ausgelöst. Außerdem löschten die Angreifer Systemdateien, um die Wiederherstellung der Stromversorgung zu verzögern. Stundenlang waren 225.000 Kunden ohne Strom.

Cyberkriminalität bedroht Stromnetze,

Gefahr auch in Deutschland

Auch in Deutschland wächst die Gefahr, dass Hacker gezielt Versorgungsnetze angreifen könnten. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) registrierte 2018 mehr Cyberangriffe. In der zweiten Jahreshälfte gab es 157 Meldungen von Betreibern kritischer Infrastrukturen, davon 19 auf das Stromnetz. Das ist ein deutlicher Anstieg gegenüber 2017, wo im gesamten Jahr 145 Vorfälle registriert wurden. Auch die Angriffsart hat sich laut BSI geändert: Es geht nicht mehr darum, Geld zu erpressen, sondern zu sabotieren.

Schutz vor Cyberangriffen

Der Schutz vor schwerwiegenden Cyberangriffen ist nach Einschätzung von Norbert Pohlmann, Professor am Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen, im Stromsektor bisher gelungen, weil viele Stromnetze noch voneinander abgeschottet sind. Die Wahrscheinlichkeit solcher Angriffe werde mit der Digitalisierung aber steigen. Intelligente Stromnetze kommunizieren lückenlos über das Internet. Das hat viele Vorteile, macht sie aber auch verwundbarer. Pohlmann warnt:

Der Schutz der Netze wird zu einer Herkulesaufgabe, denn die Angreifer werden immer intelligenter.

Die Stromnetze müssen nach Angaben von Pohlmann so beschaffen sein, dass sie einen Cyberangriff erkennen und seine Ausbreitung verhindern. Darüber hinaus sollten sie ihre grundlegende Funktionsfähigkeit bei Cyberattacken erhalten beziehungsweise eigenständig wiedererlangen können. Möglich wird das durch die Echtzeitanalyse aller Netz-Daten.

Cyberkriminalität bedroht Stromnetze, Netzleitstelle

Investitionen in die Sicherheit

Für Stromversorger bedeutet das hohe Investitionen in die Technik und einen ständigen Ausbau ihrer Sicherheitskonzepte. Beispielsweise betreibt innogy ein Trainingszentrum, in dem Mitarbeiter aus den Netzleitstellen im Erkennen und Abwehren von digitalen Angriffen geschult werden.

Auch die Bundesregierung wird aktiv. Sie will bis 2023 200 Millionen Euro in eine neue Agentur für Cybersicherheit stecken, um den Schutz vor Angriffen im Internet zu stärken.

 

Mehr Informationen zu Intelligenten Netzen gibt es unter www.enviaM-gruppe.de.

Artikel teilen

Ähnliche Artikel

Michael Freitag gibt Daten ein Zuhause

Wenn Michael Freitag seinen Arbeitsplatz betritt, kennt er sich bestens aus. Schließlich hat er ihn selbst entwickelt. Die Rede ist ...

Energiewende: Wie weit sind wir?

Um unseren Planeten zu schützen, gestalten wir unsere Lebensweisen immer umweltbewusster und nachhaltiger. Auch die Energieversorgung ...

Mit Netzen bestens vernetzt

Netze sind die Basis unseres modernen Alltags. Egal ob Strom-, Verkehrs- oder Kommunikationsnetze - ohne diese umfassenden Systeme ...

Windkraft neu erfunden

Windkraftanlagen haben sich als fester Bestandteil der Energiewende über Jahre etabliert. 1950 ging das erste, von Ulrich Hütter ...

Drohnenballett für die Netze für morgen

Feuerwerk kann jeder. Deshalb haben wir gemeinsam mit E.ON und den anderen Regionalgesellschaften zum Auftakt der deutschlandweiten ...