11. enviaM-Energiekonvent: Das Internet der Energie

Windräder, Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, E-Fahrzeuge, Wärmepumpen – alle diese Anlagen sind irgendwie, und selbst wenn es nur zeitweise ist, an das Stromnetz angeschlossen, genauer gesagt das Verteilnetz. Sie speisen Energie ein oder ziehen welche ab, um zum Beispiel den Akku des Elektroautos aufzuladen. Mal weht der Wind und die Sonne scheint, dann ist viel Energie im Netz. Mal ist es windstill und Wolken verdecken den Himmel, dann wird kein Strom aus diesen Energieträgern eingespeist. Diese starken Schwankungen belasten das Stromnetz. Um die Millionen von Einspeisern und Verbrauchern intelligent zu verbinden und eine stabile Versorgung sicherzustellen, braucht es das „Internet der Energie“ – und zwar für alle Sektoren, also Strom, Wärme und Verkehr. Nur so kann das Ziel der Energiewende, den Kohlendioxidausstoß zu senken, erreicht werden. Schließlich liegt der Primärenergiebedarf bei Wärme und Verkehr viermal höher als bei Strom.

Mit diesen Botschaften eröffnete Tim Hartmann, enviaM-Vorstandvorsitzender den 11. enviaM-Energiekonvent am 23. Oktober. 250 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und der Energiebranche waren in den Leipziger KUBUS des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung gekommen, um der Podiumsdiskussion zu folgen und mitzudiskutieren.

Martin Randelhoff, Verkehrsexperte und Gründer des Blogs ZUKUNFT MOBILITÄT, fragte etwas provokativ, ob es sinnvoll sei, das Nutzungsverhalten von Diesel- und Benzinfahrzeugen auf E-Autos zu übertragen und plädierte für ein neues Mobilitätsverständnis. „Die Menschen in Deutschland fahren im Durchschnitt täglich 40 Kilometer. Ist die Reichweite der Akkus also wirklich ein Problem?“

Die E-Mobilität werde sich durchsetzen, wenn die Fahrzeuge stylisch sind und die Leute Spaß daran haben, ergänzte Dr. Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Aus dem Publikum wurde kritisch angemerkt, ob die Fokussierung rein auf E-Autos nicht der falsche Weg wäre. Martin Randelhoff sprach sich ganz klar für einen Mix alternativer Antriebe aus.

Tim Hartmann und Dr. Gerd Landsberg forderten die Politik auf, Rahmenbedingungen und Ziele für die Kopplung der Sektoren Strom, Wärme und Verkehr zu setzen. „Bisher geht es immer nur um den Bau von neuen Leitungen. Aber auch innovative, digitale Lösungen müssen befördert werden“, sagte Hartmann. Dr. Landsberg fügte hinzu: „Den Anfang zu machen, ist das Schwierigste. Wenn das geschafft ist, entwickelt sich eine Eigendynamik.“

Beim Thema Datensicherheit sorgte Björn Heinemann, Geschäftsführer der Robotron Datenbank-Software GmbH, für den größten Lacher im Publikum: „Jeder der einen Google- oder Apple-Account besitzt, braucht keine Angst vor seinem Energieversorger zu haben.“ Gerade in Bezug auf die neuen digitalen Messeinrichtungen und intelligente Zähler hat Datensicherheit in Deutschland höchste Priorität.

Im Vorfeld der Veranstaltung gab es eine Umfrage unter der Bevölkerung zu den Themen Energie-, Verkehrs- und Wärmewende. Die Umfrage unter den Gästen im Saal gab ein leicht differenziertes Meinungsbild. Während das schon länger diskutierte Thema E-Mobilität in Fachkreisen eine höhere Akzeptanz als in der Bevölkerung hat, wird das jüngere Thema Wärmewende ähnlich zurückhaltend gesehen wie in der breiten Öffentlichkeit. Fast Dreiviertel der Befragten ist unsicher und ändert sein Verhalten in puncto Wärmedämmung oder Heizungsmodernisierung erst einmal nicht.

 

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